Viola von Bornhaupt Schillergymnasium Köln Projekt „Schüler im Chefsessel




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Viola von Bornhaupt Schillergymnasium Köln

Projekt „Schüler im Chefsessel“


3. Mai 2010, Montag, 6:00 Uhr früh ein ganz normaler Montagmorgen? Aber nicht für mich, denn auf mich wartet heute der Chefsessel – und das schon mit 16 Jahren. Heute werde ich Chefin im Unternehmen „Gutsche GmbH VW-Entfallteiledienst“ in Bonn-Beuel – aber nur für einen Tag. Über das Projekt „Schüler im Chefsessel“ habe ich die Chance bekommen, einen Tag lang das Leben einer Chefin zu leben. Im Zug versuchte ich mir vorzustellen, wie mein heutiger Tag wohl aussehen würde, wenn ich als erstes den Chef persönlich entlassen würde. Welchen Dienstwagen würde ich von ihm dann übernehmen? Einen hochglänzenden schwarzen Mercedes oder doch einen sympathischen roten Kleinwagen? Aber den lustigen Gedanken verwarf ich schnell wieder, denn meine Fahrt endete schon voll freudiger Erwartungen um 8:10 Uhr in Bonn-Beuel in einem kleinen Bahnhof.

Das Firmengebäude mit Lagerhalle lag direkt in einem alten denkmalgeschützten Gebäudeteil des Bahnhofs. Im Büro wurde ich von einem strahlenden Chef, Herrn Gutsche, und seinem Kompagnon und Cousin, Herrn Kalff, empfangen. Bei einer so angenehmen Überraschung verflüchtigten sich meine Gedanken von der Hinfahrt wieder ganz schnell; ich hatte mir einen deutlich älteren und behäbigeren Chef vorgestellt.


Nach meiner kurzen Vorstellung wunderte sich mein „Ex-Chef“ über mich, da er eigentlich einen männlichen Bewerber in einem Unternehmen erwartet hatte, das sich um den Vertrieb von Ersatzteilen für ältere Volkswagen kümmert. Jetzt musste ich Farbe bekennen, ich bin auch ein Fan von VW Käfern und so bot mir das Projekt die ideale Gelegenheit dieses Auto näher kennenzulernen. Aber ich wollte auch mehr über den Alltag eines Unternehmers erfahren. Ein weiterer Grund, so banal es auch erscheinen mag, war, dass ich herausfinden wollte, ob das Gerücht wahr ist, dass alle Chefs ihren Angestellten „das Leben zur Hölle machen“. Aber das Arbeitsklima war alles andere, locker und recht angenehm.


Bei der Morgenbesprechung um 8:40 Uhr wies der Chef seine Mitarbeiter an, welche Dinge an dem Tag erledigt werden mussten. Anschließend zeigte mir Herr Gutsche am Computer, wie eingegangene Bestellungen bearbeitet werden, also den Weg von einer E- Mail bis zum versandfertigen Ersatzteil im Paket.


Auf seine Frage, was ich denn unbedingt an meinem Tag als Chefin erleben wollte, fiel mir spontan eine Fahrt mit einem VW Käfer ein. In einer Lagerhalle standen in Schutzdecken gehüllt VW Käfer aus verschiedenen Modelljahren vom Brezelkäfer mit Winker und liegenden Scheinwerfern über Cabriolet bis zum letzten Modell von 2003 mit stehenden Scheinwerfern und Blinkern. Er zeigte mir in einer großen Ersatzteilhalle einige Bauteile und ich sollte herausfinden, wo diese im Auto verwendet werden. Gar nicht so einfach! Außerdem erzählte mir Herr Gutsche im Laufe des Tages viel über die Geschichte des VW Käfers und die Verwendung der einzelnen Bauteile.


Anschließend wurde mir mein Wusch erfüllt: Ich durfte in einem alten Käfer fahren! „Wir Chefs“ waren uns einig, dass jeder Mensch in seinem Leben einmal in einem Käfer gefahren sein sollte.


In der Lagerhalle am Bahnhof lagerten viele alte Käferteile in Regalen, an den Wänden und sogar an der Decke. Ganz hinten in der Halle entdeckte ich, sehr zu meinem Erstaunen, eine rosarote Motorhaube! Auf meine Nachfrage hin, verriet er mir, dies sei sein erstes Auto gewesen, mit dem er zu Studienzeiten gefahren war. Ich lächelte - also kein Mercedes. Es stellte sich heraus, dass Herr Gutsche ein wahrer Käfer-Liebhaber ist, der auch heute noch gerne bei schönem Wetter seinen VW Käfer aus der Garage holt.


Um 10:30 Uhr stand der Halbjahrestermin bei der Hausbank an, um die Finanzen der Firma zu sichern. Zurück im Büro lernte ich den Online-Shop kennen. Die Firma Gutsche GmbH VW- Entfallteiledienst liefert hauptsächlich Käferbauteile von Modellen, welche beim VW-Hersteller nicht mehr erhältlich und damit entfallen sind. Die Bauteile werden weltweit gesucht, nachgebaut und anschließend an kleinere Verkaufsstellen, Händler und Werkstätten vertrieben. Zu dem Zweck hat die Firma die Eigenmarke „Vewib“ entwickelt unter dem Motto: „Zeiten ändern sich. Qualität nie“. Die Marke steht für Qualität und besitzt den gewünschten Wiedererkennungswert. Wofür aber der Name „Vewib“ sonst noch steht, wollte Herr Gutsche mir nicht verraten, es sei „ein Geheimnis“. Verraten wurde mir allerdings, dass die Firma ursprünglich von Herrn Kalff gegründet wurde und Herr Gutsche, damals noch Mathematik- und Sportlehrer in München, als Unternehmensleiter einstieg als die Firma expandierte.


Während wir am Computer eine Umfrage zum Online-Shop auswerteten, traf ein Kunde ein, der eine neue Zusammenarbeit mit der Firma anstrebt und mit dem die beiden Unternehmensleiter in längere Verhandlungen gingen. Dieses Gespräch wurde auch später während des gemeinsamen Mittagessens im Restaurant „Rohmühle“, fortgeführt.


Nach dem Essen führte ich noch eine Weile mit Herrn Gutsche die Auswertung der Online-Umfrage weiter durch, bis ich mich um ca. 15 Uhr verabschieden musste. Zuvor durfte ich noch einige klärende grundsätzliche Fragen stellen: So erfuhr ich, dass die Ersatzteile weltweit produziert werden und auch auf Auslandsreisen eingekauft werden. Das Unternehmen steht mit fast allen ehemaligen Lizenzherstellern von Volkswagen in Kontakt und lässt bei Bedarf auch dort einzelne Ersatzteile in großer Stückzahl nachbauen. Die gelagerten Ersatzteile werden wieder über das Internet vermarktet und in die ganze Welt exportiert. Zu dem Zweck ist erst vor kurzem die Homepage noch einmal von einem Internetexperten überarbeitet worden.


Mein Tag an der Seite eines Unternehmers (auf dem für mich zu großen Chefsessel) war sehr spannend und hat meine Erwartungen mehr als übertroffen. Mittlerweile kann ich heute sogar verschiedene Käfertypen auf der Straße zuordnen.

Nach einem Tag im Chefsessel eines Unternehmers haben sich für mich neue Perspektiven eröffnet: Der Posten ist in vielerlei Hinsicht interessant, man muss viel leisten, man muss über viel Fachwissen verfügen, gut mit Kunden verhandeln können, aber wer seine Liebhaberei zum Beruf macht, dem fällt das sicher nicht schwer.




Rückblickend gefiel mir die Fahrt mit dem VW Käfer und der freundliche Umgangston im Unternehmen am besten. Wie das Beispiel Herrn Gutsches zeigt, kann auch ein Mathelehrer eines Tages noch ein guter Unternehmer werden…


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