Timescapes natur gender




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© B Adam – Berlin Zeitökologie Gender – 27/10/01



Vortrag zur UBA Workshop-Reihe Geschlechterverhältnisse und Nachhaltigkeit

15. November 2001, Berlin


TIMESCAPES – NATUR – GENDER:

EINE ZEITÖKOLOGISCHE PERSPEKTIVE

Barbara Adam


1

Die Zeit hat viele Gesichter. Doch ist sie so sehr Teil unseres täglichen Lebens und sie ist uns so vertraut dass wir selten über sie nachdenken:



  • Sie bereitet den Rahmen in dem sich unser Leben abspielt:

    • Täglich

    • Monatlich

    • Jahreszeitlich

    • Jährlich

    • Und lebenszeitlich

  • Sie gibt den Rhythmus und das Tempo vor.

  • Sie ist das Veränderliche - die Kreativität und Vitalität des Lebens,

  • sie ist Ursprung, Gegenwart und Zukunft,

  • sie ist Werden, Bestehen und Vergehen.

Als das Veränderliche, aber, ist Zeit



  • unsichtbar

  • verborgen

  • und entzieht sie sich dem Zugriff unserer Sinne.

Die schöpferische gestaltene Zeit der Veränderung erkennen wir deshalb nur an ihren Auswirkungen, also an den Resultaten der Zeit:



  • an den Knospen der Bäume im Frühjahr und den farbigen Blättern im Herbst

  • an den heranwachsenden Kindern

  • an den grauen Haaren der Freunde.

d. h. Zeitlichkeit als solche ist

  • weder zu sehen noch zu spüren,

  • zu tasten oder höhren.

Zeit wirkt ausserhalb der Reichweite unserer Sinne.
Was wir sehen und spüren ist deshalb nur die Spitze des Eisberges. Die Wirkkraft und Vielschichtigkeit der Zeit spielt sich unterhalb der Oberfläche des täglichen Lebens ab.
Oft werden wir der Zeit in ihrer Gesamtheit und Vielschichtigkeit erst bewusst in jenen Momenten unseres Lebens wo es zu einem Bruch mit dem Alltäglichen und den Routinen kommt, die das tägliche Leben hintergründig und begleitend strukturieren.

Zeit wird vordergründig, z.B.:



  • Wenn wir plötzlich krank werden - wenn wir mit unserer Sterblichkeit konfrontiert werden und wenn sich unsere Prioritäten und täglichen Routinen ändern müssen

  • Oder wenn im Wintersturm der Strom ausfällt - wenn die Heizung nicht mehr den künstlichen Sommer vortäuschen kann
    und wenn die Dunkelheit nicht mehr durch den künstlichen Tag ersetzt werden kann.

In diesem Vortrag möchte Ich aufzeichnen wie sich die menschliche Kultur in Auseinendersetzung mit der Zeit, die uns von der Natur vorgegeben ist, entwickelt hat.
Das ermöglicht mir drei Aspekte unseres Umgangs mit Zeit in Verbindung zu setzen. Vor diesem Hintergrund kann ich zeigen

  1. wie erstens die Einstellung zur Zeit von

  • Wirtschaft,

  • Politik

  • und den Wissenschaften

mit den Umweltproblemen der Industriegesellschaften verbunden ist;

  1. wie zweitens

  • Nachhaltigkeit und Vorsoge innigst mit unserem Verhältnis zur Zeit verwickelt sind

  1. und wie, drittens,

  • geschlechtsspezifische Machtverhältnisse eine wichtige Rolle spielen.

Der theoretische Ansatz meines Vortrages is explizit zeitökologisch und eng verbündet mit feministischer Wissenschaftstheorie.


OH – TREE (BARE) WITH CROMLECH

2


Mein erster Punkt ist also, dass die Geschichte der Menschheit immer auch eine Geschichte von dem Verhältnis der Menschen zur Zeit ist. Die Menscheitsgeschichte, mit anderen Worten, ist in ihrer Entwicklung immer auf den Rahmen gerichtet der uns vorgegeben ist: durch die Rythmen des Kosmos, die Zeitlichkeit des Lebens und die Endlichkeit unseres Dasein’s. d. h. die Geschichte der Menscheit ist

  • eine Auseinandersetzung mit den vorgegebenen Rhythmen der Natur.

  • eine Auseinandersetzung mit dem Prinzip der Verwesung

  • und eine Auseinendersetzung mit dem Tod und der Endlichkeit

Als Lebewesen teilen wir mit Pflanzen und Tieren viele der Grundbedingungen des irdischen Lebens und seinen Zeiten.



  • Erstens ist unser Leben begrenzt.
    Geburt und Tod bestimmen den äusseren Rahmen.

  • Zweitens können wir uns dem Prozess des Alterns nicht entziehen.
    Wir können ihn etwas verlangsamen aber nicht aufheben oder gar umkehren.
    Trotz enormer wissenschaflicher Fortschritte ist deshalb der Verjüngungsprozess noch nicht gelungen.

  • Drittens sind wir, wie andere Lebewesen auch, unausweichlich rhythmisch:

    • wir sind eingebettet in die Rhythmen unseres Kosmos, unserer Erde, und unserer Gesellschaft

    • und wir sind körperlich durchsetzt von einer Vielfalt von Rhythmen

  • Und viertens tragen wir gemeinsam mit allen anderen Lebewesen unsere gesamte Vergangenheit und in einem gewissen Sinn auch unsere Zukunft in uns.

    • Wie auch bei Pflanzen und Tieren sind Jahrmillionen von Erdgeschichte und Evolution in unseren Zellen verankert.
    • in den Ringen des Baumstammes, in den Schichten des Gestein’s, in unseren Genen ist die Vergangenheit gegenwärtig.

    • Ebenso ist in der Eichel die Zukunft der Eiche, in unseren Kindern die Zukunft der nächsten Generationen, in den Produkten unserer Industriegesellschaften die Umweltprobleme unserer Nachfolger.



Wie wir nun mit diesen Grundbedingungen der Zeit umgehen ist kulturell und auch individuell verschieden.

D.h. wie wir



  • mit Tod und Endlichkeit

  • Mit Verwesung und Zyklen der Veränderung

  • Und wie wir mit unserer Vergangenheit und Zukunft umgehen

ist Teil unserer Menschheitsgeschichte und differenziert uns als Kulturen und Gesellschaften.
An ein paar Beispielen möchte ich das kurz ansprechen, bevor ich mich auf unsere Gegenwart konzentriere.
OH – CROMLECH
Ganz egal wie weit wir zurückforschen in der Geschichte des Menschheit, unser Verhältnis zum Tod spielt immer eine zentrale Rolle.

Der Tod scheidet



  • das Irdische vom Überirdischen

  • das Endliche vom Unendlichen.

In der bewussten Begegnung und der Auseinanderssetzung mit dem Tod beginnt die Vorstellung einer Existenz nach dem Tode.


Diese Keltische Grabstätte zum Beispiel verkörpert den Glauben an ein Leben nach dem Tod.

  • Es war ein heiliger Ort der Ahnenhuldigung

  • wo die Welt der Toten und der Lebenden in Ritualen vereint wurde.

  • Es war und ist auch heute noch ein Ort welcher Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart bindet

  • welcher irdisches und überirdisches Leben verbündet.

Im Glauben an ein Leben nach dem Tode ist die Endlichkeit unserer Existenz zu überwinden


Die Endlichkeit des Einzelnen kann über viele Wege überwunden werden:

  • durch Fortpflanzung, also Kinder

  • durch externalisiertes/veräußerlichtes Wissen, d. h. also durch

    • Mythen,

    • Kunst,

    • Literatur

    • und Wissenschaft

    • durch Artefakte,

    • Architektur

    • und Technologie

  • und gesellschaftlich durch Institutionen.


OH – SPIRALE: TATTOOED FACE

Mit der Spirale haben Menschen diesen Bemühungen Ausdruck gegeben.

In der Spirale werden


  • Endlichkeit und Ewigkeit,

  • Veränderung, Beständigkeit und Zeitlosigkeit

symbolisch vereint.

Egal ob


  • Frühkultur,

  • oder traditionelle Kulturen von heute

die Spirale verbindet das Sterbliche mit dem Prinzip der Ewigkeit und der Unsterblichkeit.

Sie symbolisiert also die Vielfalt von zeitlichen Dimensionen als zusammengehöriges, einheitliches Ganzes.


Dieser Mauri sieht seinem Tod gestrost entgegen. Er trägt die Symbole

  • der kreativen Veränderung und der Ewigkeit

  • der Endlichkeit und der Unsterblichkeit sichtbar in sein Gesicht gemeisselt.

Er lebt deshalb in der Sicherheit, dass wenn seine Zeit gekommen ist zu sterben, ihn die Ahnen aus der Unterwelt an seinen Spiralentattoos als einen der ihren erkennen, was ihm den Einlass in das Reich der Vorfahren garantiert.
In der Natur ist jede Wiederholung eine Wiederholung des Ähnlichen anstatt des Gleichen:

  • kein Tag gleicht dem zuvor oder danach oder demselben Tag vom Jahr davor

  • kein Frühling ist genau wie alle anderen

  • kein Zyklus der Gestirne ist eine Wiederholung des Gleichen sondern immer eine Wiederholung des fast Gleichen, also eine Wiederkehr mit Abweichungen

Dadurch wird die Wiederholung zur Erneuerung.

In der Ungenauigkeit und Ähnlichkeit der Wiederholung liegt deshalb das Geheimis des Lebendigen, des Kreativen, des Schöpferischen und der Evolution.



OH – CELTIC STONE CIRCLE
Der Kreis ist eine kulturelle Errungenschaft mit der der Mensch schliesst was in der Natur offen bleibt.

In der gesamten Menschengeschichte hat der geschlossene Kreis tiefe symbolische Bedeutung.

Mit dem geschlossenen Kreis haben Frühkulturen, wie z. B. die Kelten, das Heilige symbolisiert.
Im Mittelpunkt des Kreises befindet sich die Einheit des zeitlosen Zeitpunktes und des Raumes ohne Ausdehnung.

Im Zentrum öffnen sich Raum und Zeit hin zur Unter- und Überwelt, zum Reich der Vorfahren und der Götter.

Der Mittelpunkt des Kreises ist daher geeignet


nachzudenken.
Die symbolische Kraft des Kreises liegt zweitens in der Möglichkeit Gleiches zu wiederholen und damit Vergangenheit zur Gegenwart zu machen.

Der Kreis ist somit ein Mittel



  • das Vergängliche auszuschalten

  • die Zeit sozusagen aufzuheben

  • und Vergangenes als Gegenwart in der Gegenwart zu zelebrieren.

Wiederholung, hier aber ist kein lehres Zurückbringen der Vergangenheit, keine blosse Verbindung zwischen Gegenwart und dem unwiderruflich Vergangenen, sondern eine tiefe existentielle Antwort auf das Gewesene und gleichzeitig eine Aufhebung der Auswirkungen der Vergangenheit in der Gegenwart.
Es ist die Kraft der Symbolik, drittens, die uns erlaubt Unumkehrbares als reversible zu konzipieren.

In der Natur gibt es keine Reversibilität. Zeit in der Natur bedeutet den Unterschied zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft: wir erkennen Zeit



  • in der Verwesung,

  • im Altern unserer Mitmenschen,

  • in der Abfolge von Leben und Tod..

Wir erwarten nicht von dem angefaulten Apfel im Gras daß er sich wieder erfrischt am Ast befestigt.
Wir erkennen die Irreversibilität in der Asymmetrie jeglicher Interaktion. Mit jeder kleinsten, noch so belanglosen Handlung ist die Welt eine unumkehrbar und unwiderruflich Andere. Die Unumkehrbarkeit ist systemimmanent und gehört Dingen und Prozessen an.
Es ist ausschließlich unser symbolischer Bereich der uns die Möglichkeit eröffnet uns frei in Vergangenheit und Zukunft zu bewegen.
Der symbolisch fundierte Kreis war deshalb eine besonders wichtige kulturelle Errungenschaft zu einer Zeit als Traditionen und gesellschaftliches Wissen noch mündlich übertragen wurden. 1450 – 15 Minutes

OH – UHRENZEIT

3

Der Kreis als Mittel zum symbolischen Umgang mit der Zeit muss nun abgegrenzt und unterschieden werden von dem Kreis als technische Errungenschaft Zeit zu representieren, d. H. von der Uhrenzeit.


Wenn die Uhr Zeit misst indem der Uhrzeiger den Kreislauf der Erde um die Sonne nachvollzieht und mit Zahlen versieht, so ist die Zeit welche in diesem Kreis entsteht and sehr andere als

  • jene Zeit die von der Spirale symbolisiert wird

  • und jene die im Schliessen des Kreises wiederbelebt wird.

In der Uhr ist geschlossen was in den Zyklen des Kosmos immer offen bleibt:



  • Die rhythmischen Zyklen der Urzeit, welche Wiederholungen des Ähnlichen produzieren, werden mit der Uhrenzeit abgelöst von Kreisen in denen immer wieder das absolut Gleiche wiederholt wird.

In der Natur bedeutet Wiederholung des absolut Gleichen, dass keine Veränderung mehr stattfindet, welches eine der Definitionen des Todes ist.



  • Wenn, im Gegensatz, in der Uhrenzeit eine Veränderung stattfindet, dann bedeutet das nicht Evolution und Erneuerung sondern, dass die Uhr falsch geht.

  • Was also in der Natur eine Grundbedingung für das Entstehen von Zeit ist, wird in der technischen Welt ein Hindernis zur Perfektion, ein technisches Zeit Problem das es zu lösen gilt mit mehr und besserer Technik.

Uhrenzeit also reduziert die Zeitvielfalt der Natur zur Zeiteinfalt weil sie



  • ohne Zeitlichkeit

  • ohne Vergangenheit und Zukunft

  • ohne Kairos

  • und ohne vielfältige Gleichzeitigkeit ist.

  • Die Machine gibt den entrhythmisierten Takt vor.

  • Die Zahlenreihe bestimmt die lineare Folge.

Diese Vereinfachung hat unbestreitbar seine gesellschaftlichen Vorteile:



  • unabhängig von jeglichem Kontext

  • und entlehrt von Sinngehalten, Emotionen und politischen Ereignissen

kann diese Zeit überall und jederzeit kalkuliert, eingesetzt und ausgetauscht werden.
Als abstrakte, dekontextualisierte Zeit

  • wird sie zum Tauschwert in allem wirtschaftlichen und finanziellen Handeln

  • wird sie global als abstrakte Ware gehandelt

  • steht sie Pate zum Stundenlohn.

  • Als Zins und Kredit ist sie im wirtschftlichen Kalkül berechnet.

  • Weltweit dient sie als Ko-ordinationsrahmen.

  • Weiterhin ist die Uhrenzeit kontrollierbar und planbar:

Sie fügt sich unserem zweckrationalen, wirtschaftlichen Handeln.
Die wirtschaftliche Verbinding von Uhrenzeit und Geld bringt weitere Vorteile für jene die sich dem System anpassen und der Zeiteinfalt unterwerfen.

  • Das enge Verhältnis von Zeit und Geld kommt vor allem dort zur Geltung wo Kontrolle der Zeit und Geschwindigkeit mit Effizienz und Leistungsfähigkeit gleichgesetzt werden.

Wenn Zeit Geld ist dann wird die Beschleunigung zum unumstrittenen und unhinterfragten Ziel: schneller ist besser



  • Concorde ist besser als eine Boing 707, der ICE besser als der EC

  • Beim Wintersport geht es um Bruchteile von Sekunden Vorsprung

  • In der Schule ist Lansamkeit mit niederer Intelligenz gleichgesetzt.

  • Im wirtschftlichen Bereich bringt Beschleunigung Profit.

Aus der Sicht der Umweltplaner sind aber auch Energie und Raum mit in the Kalkulation einzubringen:



  • Geschindigkeit braucht Energie und, mit der Ausnahme von ICT, nimmt der Energiebedarf mit steigender Geschwindigkeit zu.

  • Ebenso sind Raum und Geschwindigkeit unausweichlich miteinander verkoppelt: höhere Geschwindikeit benötigt mehr Raum.

Um nocheinmal zusammenzufassen: Die Uhrenzeit



  • ist nach naturfremden Prinzipien konzipiert und abgekoppelt von der veränderlichen Rhythmik der Gestirne

  • sie ist eine immer-das-Gleiche-wiederholende Zeit

  • sie ist standardisiert und rationalisiert

  • sie ist vom Leben entfremdete Taktzeit

  • im Zusammenhang mit Geld wird sie zur Ware und zum abstrakten Tauschwert

  • und Beschleunigung zur unhinterfragten Logik wirtschftlichen Handlens.

Das bedeutet, dass die Zeitvielfalt der Natur im Namen der Effizienz auf die eindimensionale Logik der Uhrenzeit reduziert wird:



  • Vernetzungen, Zusammenhänge und rhythmische Variation werden negiert

  • Die Zeitlichkeit, das Zusammenwirken von verschiedenen Tempi und eingebetteten Rhythmen werden ignoriert.

  • Vergangenheit und Zukunft werden in der Gegenwart geschaffen, kalkuliert und verplant.

Die Zeugung der Uhrzeit und ihre weltweite Verbreitung hatte enorme Auswirkungen auf die Art wie sich unsere Gesellschaft entwickelt hat und wie wir im öffentlichen Leben mit der Zeit umgehen.


Ein wichtiger Aspekt der Gender-Zeit-Natur Konstellation in unserer Gesellschaft bezieht sich auf jene Prozesse welche weibliche Reproduktionszeiten in den Schatten der gesellschaftlich dominanten Uhrzeit verdrängen.

Diese re-generativen Zeiten finden ihren Ausdruck nicht nur in dem unmittelbaren Prozeß der Geburt sondern insbesondere auch in zeitgebender Arbeit die sich nicht in das ökonomische Zeitschema Zeit-ist-Geld zwängen lässt.



  • Es ist diese Zeit der Liebe und Sorge,

  • der Vorsorge und Nachhaltigkeit

die auf Grund ihrer Nichtanpassung an die Zeit des Marktes in der Sphäre der Unsichtbarkeit verloren geht.

In der Wertestruktur von Industriegesellschaften ist es immer die ökonomische Zeit der Produktion die Vorrang hat über die generativen Zeiten der Reproduktion wie auch über die rhythmischen Zeiten der Natur. Im Schatten der technologisch-ökonomisch bewerteten Welt werden urzeitliche, generative und reproduktive Prozesse der Anthroposphäre und der Ökosphäre am Maßstab der abstrakten und standardisierten Uhrzeit gemessen.

Wichtig ist hier anzuerkennen daß die schöpferische Dimension der Urzeiten nicht isoliert existiert. Sie ist vielmehr eingebunden


  • in der ungleichen Wechselbeziehung mit der Uhrenzeit

  • und der Zukunftsgestaltung durch

  • Dinge und Geld,

  • durch Artefakte und das symbolische System,

  • durch wissenschaftliche Erkenntnis und die Strukturen des Marktes.

Da Zeiterzeuger/innen und Zeit-geber/innen ihre eigenen Aktivitäten an Kriterien zu messen haben, die einem endlichen, ressourcenbezogenen Zeitbegriff verpflichtet sind, ist es für sie extrem schwierig ihre Ideen zu nachhaltigem und vorsorgendem Handeln zu verteidigen.

Das macht sie zu Teilhabern und Beträgern an der dominierenden Zeit und ihrer Erhaltung als gemeinschaftliches Gut.

Um dem Genderaspekt der Nachhaltigkeit noch wieter näher zu kommen möchte ich nochmal auf zwei Folien den Unterschied hervorheben zwischen Urzeiten und der Uhrenzeit

2005 – 22 Minutes


OH - URZEITEN

Urzeiten

Dauer


Zyklus

Abfolge


Eigenzeiten

Geburt & Tod

Un/endlichkeit

Sein und Werden

Werden & Vergehen

Zeitigung/Synchronisation

rhythmische Wiederholungen

Vergangenheit & Zukunft in Gegenwart

Kairos - der richtige Moment

rhythmische Veränderungen

Evolution & Entwicklung

Tempo & Intensität

Unumkehrbarkeit

Nachhaltigkeit

Re/production

Regeneration

Kreativität

Genesis


In diesem Paket von Charaketistika wir zusammengefasst was aus zeitökologischer Sicht zeitbedingte Grundlagen der Nachhaltigkeit sind, wenn wir

  • Nachhaltigkeit als ein Zukunftsprinzip verstehen das sicherstellt dass die Rate des Verbrauchs und der Benutzung nicht das der Erschaffung, Regeneration, Reproduktion and Entwicklung übersteigt

Die meisten Aspekte habe ich im Vorherigen schon angesprochen oder zumindest erwähnt.

  • In den Urzeiten tritt das Schöpferische in den Vordergrund, das Bewirkende und Synthetische, durch das wir Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in Einklang bringen.

  • Die rhythmische Wiederkehr des Ähnlichen bringt Veränderung. Sie ist die Quelle der Kreativität. Sie verbindet Gegensätzliches.

  • Urzeiten binden Vergangenheit und Zukunft in der Gegenwart.

  • Dazuzufügen ist, daß Re/produktion eng mit dem Nachhaltigkeitsbegriff verbunden ist. Die Natur produziert und reproduziert sich in dem vernetzten Geflecht von schöpferischem Sein und Geschehen, Werden und Vergehen.

  • Der Regenerationsprozess beinhaltet Erneuerung durch Wachstum, Teilung und Heilung: Der Eidechse wächst ein neuer Schwanz. Aus dem Ableger wird ein neuer Baum.

  • Kreativität in der Natur ist in der Erneuerung, Regeneration, Reproduktion und der Wiederholung des Ähnlichen zu suchen

  • Genesis heißt: alles ist im Werden, hat Geschichte & Zukunft, Sinn & Telos.


OH – DER KONTEXT DER UHRENZEIT
Wenn wir uns nun derjenigen Zeit zuwenden welche in unserer Gesellschaft vorranging und jegliches Planen implizit underbaut, so wird ganz schnell offensichtlich dass hier sehr andere Begriffe in den Vordergrund treten.

Wir sprechen hier von


Zeit:

sparen


schaffen

gestalten

berechnen

abstrahieren

organisieren

kolonisieren

koordinieren

rationalisieren

synchronisieren

beschleunigen

verlangsamen

kontrollieren

umgestalten

vorhersagen

verlängern

verändern

verkürzen

verwalten

aufhalten

messen


planen

Im folgenden werde ich versuchen



  • aufzuzeichnen was es bedeutet Zeit zu organisieren and coordinieren, zu gestalten und verwalten

  • zu umreißen wo die Konfliktpunkte sindin Bezug auf Nachhaltigkeit

  • und mich der Frage widmen inwieweit uns eine zeitökologische Genderperspektive zu neuen Einsichten verhilft.

Ich werde die Begriffe nicht ganz in der Reihenfolge wie sie auf der Folie sind behandeln. Auch werde ich mehrere Aktivitäten in Gruppen besprechen.




  • Zeit sparen - Wir können nur eine ganz bestimmte Form von Zeit sparen. Die immanente Zeit des Werdens und Vergehens, z. B. kann nicht gespart werden. Man kann weder die Blütezeit noch den Prozess des Alterns einsparen. Nur die Zeit welche extern geschaffen ist und unabhänging von Prozessen existiert, kann eingespart werden.
    Uhren und Kalenderzeit kann man sparen.
    Auch die Zeit des ökonomischen Kalküls kann eingespart werden.
    Naturzeit zu ‘sparen’, wie z.B. in der Landwirtschaft durch immer kürzere Produktionszeiten, bedarf extremer Anstrengungen da beim Zeitsparen in der Landwirtschaft die Prinzipien der abstrakten Uhrenzeit auf die immanente Zeit des Lebendigen übertragen, oder besser, ihm übergestülpt werden.
    Das bedeutet, daß die Zeit der Natur mit der vom Menschen geschaffenen Uhrenzeit genutzt & benutzt, geplant & verplant wird.

  • Das gleiche gilt für extra Zeit schaffen. Uhren- Kalender- und Geldzeit werden geschaffen indem sie woanders gespart werden.
    Es ist wiederum nurdie vom Menschen geschaffene Uhrenzeit die gespart und geschaffen werden kann.

  • Diese vom Menschen geschaffene Uhrenzeit ist abstrahiert von den Zeitgebern der Natur. Sie ist immer, überall und univeral verwendbar. Sie ist Kontextunabhängig und mißt deshalb die gleiche Zeit unabhängig wo und wann wir sie abfragen.

  • Zeit gestalten heißt Prozesse und Abfolgen umzustrukturieren.
    Auch hier stellt sich die Frage ob und inwieweit Naturzeiten gestaltbar sind.
    Und es stellt sich die Frage wie es mit dem Gestaltenund Verwalten aussieht wenn es um gesellschaftliche Zeiten geht die sich nicht in das Uhrenzeitschema fügen.

  • Das berechnen von Zeit beruht ursprünglich auf natürlichen Prozessen: auf den Bahnen der Gestirne, der Erdumdrehung, den Mondphasen, den Jahres und Tageszeiten, den Gezeiten, dem Schatten, dem Fließen des Sandes, der Garzeit von Reis. All diese natürlichen Prozesse aber sind nur ungefähr genau. Wenn wir etwas mit Sicherheit und absoluter Genauigkeit bemessen wollen müssen wir uns der Uhrenzeit und anderen technologischen Zeiten bedienen. Nur vom Menschen geschaffene Zeitsysteme wiederholen das Gleiche und sind somit genau messbar, berechenbar kalkulierbar, und vorhersagbar.

  • War bis vor wenigen Jahrhunderten die Zukunft in den Händen der Götter so wird sie heute als Herausforderung zur menschlichen Einflußnahme gedacht: es gilt sie zu sichern und vorwegzunemehn, zu programmieren und kontrollieren.
    Gewollt und ungewollt wird die Zukunft kolonisiert, schöpfen wir grenzenlos aus der Zeit anderer und bestimmen dadurch die Entscheidungsmöglichkeiten nicht nur der nächsten Generationen sondern der Nachfolger über Jahrzehnte und Jahrtausende.

  • Kolonisiert, aber, wird nicht nur die Zukunft sondern auch die Zeit von Kulturen, Gesellschaften und Gesellschaftsgruppen die nach anderen Zeitsystemen und Zeitprinzipien leben.
    So ist die Uhrenzeit eines der Hauptwerkzeuge des westlichen ökonomischen Imerialismus’.
    Als Standard und Norm ist die Uhrenzeit global eingeführt und alle Zeit die nicht mit ihr kompatibel ist wird entwertet als primitiv und hinterländisch.
    Auch in unserer Gesellschaft können wir die interne Kolonialisierung durch die ökonomisch gewertete Uhrenzeit beobachten und das nicht nur im Bereich der Landwirtschaft und Planung.
    Die Zeit der Kinder, der Mütter, der Hausfrauen, der Rentner, der Künstler – alle Zeiten die schwer mit Uhrenzeit zu bemessen sind – haben niederen Stellenwert eben genau weil sie durch das unpassende Zeitsystem bewertet werden, weil alles durch das Sieb der Uhrenzeit durchpassiert wird.

  • Die verschiedenen Zeiten von Ökosystemen, gesellschafltichen Prozessen, ökonomischen Imperativen und politischen Prioritäten zu koordinieren und synchronisieren– ist, wenn auch meist impliziet, eine der Hauptaufgaben der Umweltplanung.

  • Oft noch wichtiger ist es, die verschiedenen Prozesse im Verhältnis zueinander zu rationalisieren, das heisst, Zeiten zu sortieren in Gewinnbringende, Kostenträchtige and ‘vergeudete’ Lehrzeiten. Danach gilt es gewinnbringende Zeiten zu maximieren, kostenträchtige zu minimieren, Lehrzeiten auszuschalten und Abfolgen umzustrukturieren.
    Diese ökonomische Aufgabe ist am schwierigsten zu erfüllen dort wo wir es mehr oder weniger ausschließlich mit Natur- und Plegeprozessen zu tun haben:
    Erstens ist es schwer möglich Natur- und Pflegeprozesse derart zu abstrahieren dass sie umstrukturierbar werden
    Zweitens bringt jede Rationalisierung ungeplante Folgen mit sich da jede Veränderung im vernetzten System die Gesamtheit in seinen Funktionen und Prozessen impliziert.

  • Zeit zu rationalisieren – bedeutet zusätzlich das beschleunigen, intensivieren, verlangsamen, verlängern, verkürzen, verändern, und aufhalten von Prozessen von einer ökonomischen Perspektive.
    In Bezug auf Naturprozesse geht diese Art der menschlichen Einwirkung zurück bis zur Vorgeschichte der menschlichen Entwicklung
    Jegliche Art der Preservierung von Nahrungsmitteln ist ein aufhalten oder zumindest verlangsamen des Verwesungsprozesses, ein Verlängern der Haltbarkeit
    Die Beschleunigung von Reifeprozessen, z. B. ist ein zentrales Ziel der Insturiellen Landwirtschaft und Nahrungssmittelindustrie.
    Jeder Zuchtvorgang verändert den Phänotyp in eine bestimmte Richtung
    Gentechnologie verkürzt die Generationenabfolge im Zuchtvorgang zu Nullzeit: die Veränderung über Generationen wird im Jezt vollbracht.

  • Zeit planen, letzlich, können wir nur wofür uns bestimmte Grundparameter zur Verfügung stehen:
    Die Elemente des zu Planenden müssen begrenzt und festgelegt sein.
    Sie müssen zeitlich und räumlich bestimmbar sein.
    Wir müssen ihre Kausalzusammenhänge kennen
    Wir müssen die Effekte im Prinzip kennen und vorhersagen können
    Alle implizierten Phänomene müssen mit unseren Sinnen erkennbar sein, d.h. sei müssen unserem empirischen Wissen zur Verfügung stehen,
    denn nur so sind sie quantifizierbar, messbar und kontrollierbar,
    nur so können wir sie zeitlich planen
    Auch hier ist offensichtlich, dass diese Grundbedingungen nur extrem-Bedingt für die Urzeiten der Natur zutrefflich sind.
    Naturprozesse sind zeitlich offen,
    sind nicht abstrahierbar von ihrem raumzeitlichen Kontext
    Es ist nicht möglich alle Kausalzusammenhänge zu kennen was bedeutet dass wir weder alle Effekte noch die Breite und Tiefe ihrer Auswirkungen vorhersagen können.

  • Prozesse, egal welcher Art, sind in Merkwelt und Wirkwelt aufzuteilen, in Natura naturata (die Welt der Naturprodukte) und Natura naturans (die Welt der Naturpozesse). D. h. Merkwelt ist was den Sinnen zugänglich ist. Wirkwelt ist die Welt der Prozesse die sich dem Zugriff der Sinne entzieht.
    Das was unserem Sinnesapparat nicht zur Verfügung steht, aber überstrifft bei Weitem das was wir sehen, höhren und fühlen können. hh

Es ist der Verdienst der zeitökologischen Genderperspektive



  • diese Zusammenhänge explizit zu erarbeiten

  • die dazugehörigen Machtverhältnisse herauszuarbeiten

  • die Folgen für die Umwelt aufzuzeichnen

  • und alternative Praxisansätze zu erarbeiten.

Wichtig dabei war, daß in der Vordergrund gerückt wurde was im Moment implizit ist und als unterschwellige Funktion agiert.
Wissenstheoretisch war dabei folgende Veränderung im Ansatz nötig:

  • Zeit ist nicht nur als Uhrenzeit sondern auch als verkörperte Zeit zu verstehen: die Zeitlichkeit als schöpferische Kraft in der Materie, im Körper und in Prozessen

  • Zeit ist nicht nur abstrakt sondern auch kontextual: Raum, Materie und Zeit sind als untrennbar zu denken.

  • Zeit ist nicht nur im Singular sondern auch in ihrer Komplexität und Vielfältigkeit zu erfassen

  • Zeit nicht nur objektiv zu sehen sondern einbezüglich der Beobachterperspektive, des Miteinbegriffenseins. Wir sind immer impliziert in dem was von uns expliziert wird.

  • Das bringt uns zum Thema der Verantwortung. Wenn wir uns als Teil dessen verstehen was wir erforschen dann können wir auch die Wirkung unserer Handlungen nicht mehr zeitlich und räumlich objektivieren. Wir sind statt dessen angehalten die Resultate unserer beruflichen Tätigkeiten zom Ende ihrer Wirkungen zu begleiten.

Es ist also kein Ansatz des Entweder-oder. Es ist ein Ansatz der Prozesse und Handlungen in einer bestimmten Weise versteht:



  • im Verhältnis zueinander und in ihrer gegenseitigen Implikations

  • in ihrer geschichtlichen Entwicklung, Produktion und Reproduktion

  • und eingebettet in Hierarchien, Konflikte und Machtverhältnisse.

Es ist ein Ansatz der dem Unischtbaren Gestalt gibt. Auf dieser Basis kann er dazu beitragen daß eine Balance hergestellt wird

  • zwischen Uhrenzeit und Urzeit

  • zwischen der industriellen Zeit und jenen Zeiten die in das kreative Geben-und-Nehmen der ökologischen Prozesse eingebaut sind.


3900 – 40 Minutes (this excludes the Urzeiten overhead)


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