Sandra Kunz




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Sandra Kunz | Kapuzinerstraße 22 | 94032 Passau

Lebendiges Wissen
aus früheren Zeiten


Hohlzahn – Galeopsis segetum

Über den Namen: Galeopsis leitet sich vom griechischen galea ab und bedeutet Iltis, Marder, Wiesel; opsis heißt Aussehen. Es wird vermutet, dass Menschen in den Blüten des Hohlzahns ein Iltisgesicht wahrgenommen haben und die Pflanze deshalb diesen Namen erhielt. Es könnte aber auch sein, dass sich der Name auch von Galium (vom Labkraut v.a. dem Klettenlabkraut) ableitet. Hohlzahn heißt die Pflanze durch ihr Merkmal, dass sie an der Unterlippe der Blüte zwei hohle Vorsprünge besitzt, welches auch ein wichtiges Erkennungsmerkmal ist.

Weitere Namen: zottige Hanfnessel, Stachelnessel, Dahnnessel, Brennkraut, Brandkraut, Gelbes Distelkraut, Bluttee, Hahnenkopf.

Geschichte: Früher wurde die Pflanze den Nesselgewächsen (wie der großen und kleinen Brennnessel bzw. den Taubnesseln) zugeordnet. Dioskurides beschrieb den Hohlzahn botanisch. Er wurde im 18. Jahrhundert oft als Pflanze erwähnt mit besonderer Heilkraft bei ernsten Lungenbeschwerden und wurde auch bei Tbc (d.h. Schwindsucht) verwendet. Der Hohlzahn war außerdem Bestandteil geheimer und hochgeschätzter Teemischungen, die auch bei Tuberkulose verabreicht wurden. Die Rezepturen wurden bewusst geheim gehalten und wurden zu horrenden Summen von Apothekern abgegeben. Als die Rezeptur doch bekannt geworden ist, weil 1824 die Behörden den Verkauf verboten, wurde der Hohlzahn zu einer hochgeschätzten und angesehenen Heilpflanze.

Botanik: Der Stängel ist vierkantig und anliegend behaart. Der gelbe Hohlzahn wird etwa 30-60 cm groß. Die Pflanze ist einjährig, die Vermehrung geschieht durch das Aussamen. Der Hohlzahn blüht im Juni und Juli. Die Blätter haben kurze Stiele und sind kreuzgegenständig angeordnet. Ihre Form ist eiförmig bis lanzettlich. Die Blüten sind quirlig um den Stängel angeordnet (wird auch als Scheinquirlen bezeichnet), typisch sind die spitzigen Zähnchen, in denen der röhrenförmige Kelch ausläuft. Die Farbe der Blüten ist weißgelb und an der Unterlippe befindet sich ein dunklerer Fleck sowie die zwei deutlichen Ausbuchtungen, welche zum Schlund gerichtet sind (=Hohlzähne). Der Hohlzahn liebt sandige Äcker und Kies sowie Sonne bis Halbschatten. Gesammelt werden die oberirdischen Pflanzenteile zur Blütezeit.

Weiter Hohlzahnarten:



  • Galeopsis tetrahit – Stechender Hohlzahn

  • Galeopsis bifida – Ausgerandeter Hohlzahn

  • Galeopsis pubescens – Weichhaariger Hohlzahn

  • Galeopsis speciosa – Bunter Hohlzahn

  • Galeopsis ladanum – Acker Hohlzahn

  • Galeopsis angustifolia – schmalblättriger Hohlzahn

Medizinisch interessant ist vor allem der gelbe Hohlzahn, der bunte Hohlzahn hat ähnliche Wirkung. Die anderen Arten können in der Küche verwendet werden, siehe unten im Text.

Pflanzenfamilie: Lippenblütler - Lamiaceae

Inhaltsstoffe: Saponine, Harz, Gerbstoffe, Kieselsäure

Die Planetenkräfte: Jupiter, Mars

Element: Luft, Wasser

Tabernaemontanus sah im Hohlzahn ein Nesselgewächs und er verwies auf die Wirkung der Taubnesseln.

„Das diese Nesseln nichts anderes seyen dann ein Geschlecht der vorigen Todnesseln (Anmerkung: Weiße und gelbe Taubnessel) und denselbigen auch wol können zugeeignet werden wie auch von andern simpheiten geschehen ist, derwegen sie auch den vorigen an ihrer Krafft und Tugend gleich gehalten werden“.

Die Taubnesseln, wie auch den Hohlzahn setzte Tabernaemontanus u.a. ein bei:


  • Geschwulst am Hals

  • Schilddrüsenvergrößerung (Struma)

  • Bei alten Wunden

  • Geschwüren hinter den Ohren

  • Krebs

Volksmedizinische Anwendung des Hohlzahns:

  • Bei Leber- und Gallestörung

  • Zur Appetitanregung

  • Nach Rekonvaleszenz

  • Zur Blutreinigung

  • Bei Blutarmut

  • Bei Meteorismus (Blähsucht)

  • Zur Diurese

  • Als Wundheilkraut

  • Zur Reinigung von Wunden

  • Bei Furunkulose

Rezepte aus dem Lehrbuch der biologischen Heilmittel von Madaus:

  1. Bei Lungentuberkulose und Bronchitis:

50 g Hohlzahnkraut; 3 Teel. voll zum heißen Aufguss mit 3 Glas Wasser, tagsüber zu trinken.

  1. Bei Husten und Brustverschleimung (nach Rose)

Je 20 g Hohlzahnkraut, Isländisch Moos, Spitzwegerichblätter, Huflattichblätter, Eibischwurzel; 4 Teel. voll auf 2 Glas Wasser. Die Hälfte des Wassers mit dem Kraut kalt ansetzen und 8 h ziehen lassen. Nun den Teerückstand mit der anderen Hälfte Wasser heiß überbrühen. Beide Flüssigkeiten mischen und tagsüber schluckweise trinken.

  1. Bei Lungenkrankheiten (nach Wittlich)

Je 20 g Hohlzahnkraut, Schachtelhalmkraut und Kraut vom Vogelknöterich; 2 Teel. voll auf 2 Glas Wasser. Weiter wie bei 2)

  1. Bei Bronchitis (nach Ulrich)

Je 15 g Hohlzahnkraut, Klapperschlangenwurzel; 2 Teel. auf 2 Glas Wasser. Weiter wie bei 2)

Heute:

Den Hohlzahn sammelt man am besten selbst und trocknet das oberirdische Kraut für Teeaufgüsse oder setzt eine Urtinktur an, weil es sehr wenig Fertigpräparate gibt.

Weil der Hohlzahn reich an Kieselsäure (Silicea) ist, kann er mit Pflanzen gemischt werden, die ebenso einen beträchtlichen Anteil daran haben, das sind u.a. der Ackerschachtelhalm und der Vogelknöterich. Auch diese Pflanzen werden bei Lungenbeschwerden eingesetzt.

Homöopathisch und phytotherapeutisch ist der Hohlzahn erhältlich in Fertigpräparaten der Firma DHU in Form von Tabletten ab D6, Globuli ab D1, Dilution als D2 und als Urtinktur.

Verwendet wird der Hohlzahn bei: Katarrhen, Husten, auch Keuchhusten, bei Asthma bronchiale, Appetitlosigkeit, bei Milzerkrankungen, Heiserkeit und bei Blasen- und Nierenbeschwerden sowie als Expektorans.

Ansonsten findet man den Hohlzahn in manchen Präparaten als Mischung z.B. Ernst Kräuter Lungen- und Kieseltee und in Tussiflorin. Spagyrisch ist der Hohlzahn nicht erhältlich.

Teerezept: 2 Teel. Kraut auf 250 ml heißem Wasser, 10 min. ziehen lassen, 2-3 Tassen täglich, als Kur anzuwenden.

In der Küche laut Steffen Guido Fleischhauer

werden die Blätter vom Gelben Hohlzahn, Acker Hohlzahn, Bunten Hohlzahn und vom Stechenden Hohlzahn von Mai bis Oktober zu Salat und Spinat verwendet. Von allen Hohlzahnarten können die ölhaltigen Samen im Oktober zu Speiseöl verarbeitet werden.

Viel Freude beim Finden einer fast vergessenen Heilpflanze.

Ihre Sandra Kunz


Heilpraktikerin

www.heilkunst-passau.de

Literaturnachweise:

Jacobus Theodorus Tabernaemontanus Neu vollkommen Kräuter-Buch 1731
Reprint 1975 by Verlag Konrad Kölbl

Gerhard Madaus: Lehrbuch der biologischen Heilmittel,


mediamed Verlag ISBN 3-922724-05-1

Siegried Hirsch und Felix Grünberger: Die Kräuter in meinem Garten, Freya Verlag, ISBN: 978-3-9021 34-79-0



Steffen Guido Fleischhauer: Enzyklopädie der essbaren Wildpflanzen, AT Verlag, ISBN: 3-85502-889-3





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