Neomys fodiens Wasserspitzmaus




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Gerd Grün

Neomys fodiens




Wasserspitzmaus






2012

Neomys fodiens Wasserspitzmaus





e Water shrew

f Musaraigne aquati­que

n Waterspitsmuis

d Vandspidsmus

p Rzęsorek rzeczek

č Rejsec vodní

Bilder: http://www.bing.com/images/search?q=Neomys%20fodiens&FORM=BILH



Einordnung ins System

Innerhalb der Familie der Soricidae (Spitzmäuse) gehört die Art Neomys fodiens zur Gattung Neomys. Als weitere Art die­ser Gattung lebt im Verbrei­tungsgebiet die Sumpfspitzmaus, Neomys anoma­lus. Sie gilt als die ältere Vorläuferart, von der sich fodiens abgespalten hat.

Die Wasserspitzmaus wurde unter dem Artna­men fodiens zuerst von Pennant 1771 beschrie­ben. Das erste beschriebene Exemplar stammt von Berlin. Die Beson­derheit der Gattung Neo­mys liegt in der Gestaltung der Schneidezähne, aber für den Beobachter im Freiland haben die Wasser­spitzmäuse andere wesentliche Kennzei­chen: ihren dicken, dunklen Pelz mit der weißli­chen Un­terseite und ihren Lebensraum am und im Wasser.
Habitus

Wasserspitzmäuse werden größer als an­dere einheimische Spitzmäuse. Ihr Rumpf misst von der Schnauzenspitze bis zum Schwanzansatz 7 bis über 9 cm. Nimmt man den Schwanz mit 5 bis 7 cm noch hinzu, kommt man auf durch­schnittlich 14 cm Gesamtlänge. In dieser Länge wird man das Tier nur dann sehen, wenn es schwimmt. Normalerweise übersieht man im Gelände den dünnen Schwanz und der Körper ist eiförmig zusammengezogen. Wasserspitz­mäuse wiegen je nach Alter 10 bis 20 g. Männliche Tiere sind nicht nach­weislich größer als die weiblichen, das umgekehrte gilt auch nicht. Es scheint aber Unterschiede in der Größe der Tiere zu geben, die von den Eigenschaften des Biotops abhängen (z.B. feucht – trocken).

Das Fell ist oben und an den Seiten glän­zend schwarz bis dunkelbraun. Davon setzt sich die helle Unterseite ab und er­scheint weiß, weißgrau oder silbern, bei manchen Tieren auch dunkler bräunlich oder dunkel gefleckt. Hinter den Au­gen und Ohren sitzen meist weiße Fleckchen, die den Wasserspitzmäusen einiger Ge­genden (Ostdeutschland) fehlen. Das Fell­haar junger Tiere glänzt weniger, ebenso das Sommerfell. Füße und Schwanz sind bräunlich schwarz.

Das Fell erscheint langhaarig und samtig. Auf dem Rücken wird eine Haarlänge von 5 mm er­reicht, im Winter über 7 mm. Auf der Unterseite hat man eine Haardichte von 16000 Haaren pro cm2 gezählt und bringt diesen dichten Bewuchs mit dem Aufenthalt im Wasser in Zusammen­hang (siehe unten). Im Alter wird das Fell schütter.

Die bis zu 2 cm langen Hinterfüße sind außen mit steifen, weißen Borsten besetzt, die beim Schwimmen und Tauchen abge­spreizt werden können. Ein weiterer dichter Borstensaum zieht sich an der Unterseite des Schwanzes entlang. Diese Borsten dienen den Wasserspitzmäusen, welche keine Schwimmhäute zwischen den Fingern oder den Zehen haben, als Ruder, gelten also ebenfalls als Anpassung an das Wasserleben.

Wasserspitzmäuse mausern ihr Fell im Frühjahr und im Herbst, es soll auch eine Mauser im Hochsommer geben.

Die Augen liegen näher bei den Ohren als bei der Schnauzenspitze. Weibliche Tiere verfügen über vier oder fünf Zitzen.

Wasserspitzmäuse besitzen insgesamt 30 rotspit­zige Zähne und zwar im Oberkiefer jederseits 3 Schneidezähne, 1 Eckzahn, 2 Prämolaren und 3 Mahlzähne, im Unter­kiefer ebenfalls jederseits 3 Mahlzähne und von den anderen jeweils einen.


Verbreitung

Wasserspitzmäuse leben in großen Teilen Euro­pas, nicht aber südlich der Pyrenäen, auf der süd­lichen Balkanhalbinsel, in Ir­land und auch nicht auf den Mittel­meer­inseln. Südlich der Alpen bis hinun­ter nach Kalabrien, wo man sie noch in 1175 m über dem Meeresspiegel fand, halten sie sich nur im Gebirge auf. Ost­wärts sind sie bis an den Baikalsee, den Jenissei und das Tien-shan-Gebirge ver­breitet. Zerstreute Vor­kommen kennt man darüber hinaus bis nach Sachalin und Ko­rea.

In Deutschland finden sie sich am ehesten in den Mittelgebirgen, in den Alpen noch bis auf über 2000 m. Man kennt Wasser­spitzmäuse aber auch von Niederungen oder den Inseln Sylt, Rügen und Wollin, wie übrigens auch von Texel und Fünen.
Lebensraum

Ihre Wohnstätten haben Wasserspitz­mäuse immer in Wassernähe, ihre Aktivi­tätsgebiete sind meistens Ufer oder das Wasser von nicht zu großen Flüssen, von Bächen, Seen, Teichen oder Gräben. Man kann sie zwar auch weiter weg von Ge­wässern antreffen, in Weiden, Wäldern und Feldern oder auch an menschen­ge­schaffenen Stätten, aber schon in fünfzig Metern Entfer­nung vom Ufer stellen sie nur mehr 6% der Kleinsäugerarten, wäh­rend sie in Ufernähe mit 35% vor Brand­mäusen und Waldspitzmäusen den größ­ten Anteil haben.

Innerhalb dieses Lebensraumes sind aber nicht alle Stellen gleichwertig :

Schneller fließende, flache Wasserkörper werden anderen vorgezogen. Sie bieten den Wasser­spitzmäusen, welche keinen Winterschlaf halten, den Vorteil, nicht so leicht einzufrieren. Aller­dings suchen Wasserspitzmäuse das Wasser nur auf, um nach Beute zu suchen, und dazu sind ihnen in solchen Gewässern stillere oder flachere Buchten oder Verlandungszonen lieber.

Die Ufer sollten vielfältig strukturiert und steil sein, das heißt um 45° oder mehr an­steigen. Ins Wasser hinein gehen die Was­serspitzmäuse von allen Ufern aus, an Land aber nur an Steilufern und nur dort suchen sie ihre Beute. Auf ihren Schwimmtouren suchen sie auch flache Ufer auf. Spärliche Vegetation und kurzes Gras sind wenig attraktiv, Erlenbrüche werden hingegen ge­schätzt.

Natürlich sind auch das Nahrungsangebot und die Wasserqualität wichtige Faktoren bei der Wahl des Aufenthaltsortes. Die zeitweilige An­wesenheit von Menschen scheint sie weniger zu stören als geringe Wasserqualität.

Für ihren Wohnaufenthalt nutzen sie ein System, das sie sich aus Nischen, Höhlen und Gängen schaffen. Dort haben sie ihre Nester, stapeln Beute oder ruhen. Ihre Nahrung fressen sie vorwie­gend in den Höhlen, wo sie sich an­schließend auch putzen. Die Nester aus weichen Pflanzen­resten mit einer kleinen Kammer am Ende bauen sie gern in vorhandene Mäuse- oder Maul­wurfsbaue. Auch in ein Vogelnest, das nicht aufgehängt ist, gehen sie hinein. Vom Nest aus graben sie Gänge und durch einen von ihnen haben sie unterhalb der Wasseroberfläche gleich Zugang ins Gewässer.

Nicht jede Wasserspitzmaus hat jedoch ein festes Wohngebiet (Territorium, siehe un­ten), man weiß auch von einem großen Anteil um­herwandernder Tiere. Es ist aber nicht bekannt, welche Rolle ihnen in einer regionalen Popula­tion und im Sozialleben zukommt.

Eingriffe in natürliche Uferstrukturen durch Geländemaßnahmen der Menschen und sin­kende Wasserqualität führen zum lokalen oder auch weiträumigen Ver­schwinden der Wasser­spitzmäuse. In den Roten Listen wird die Was­serspitzmaus in der Kategorie 3 (gefährdet) ge­führt.
Ökologie

Wasserspitzmäuse sind zwar auch in grö­ßerer Entfernung von Gewässern zu fin­den, auch schon mal in Baumkronen, aber doch nur im Ausnahmefall. Stehende oder fließende Gewäs­ser sind der Mittel­punkt ihres Lebens, in Was­sernähe, im und am Wasser finden sie ihre Nah­rung. Scheinbar sind sie an einen eher engen Rahmen der Lebensbedingungen ange­passt, das heißt stenök. Es ist sogar gesagt worden, dass die Wasserspitzmaus gerade deshalb in Wasser­nähe lebt, weil sie auf diese für ein Insectivor ökologisch gerade noch trag­bare Lebensstätte zurückge­drängt worden ist. Immerhin weiß sie diese ökologische Nische gut zu nutzen und ist darüber hin­aus befähigt, auch die ökologischen Nischen anderer Spitzmaus­arten zu besie­deln, wenn diese nicht be­setzt sind. Das ist von der Nordseeinsel Texel bekannt ge­worden. Da sie nun aber zusätzlich zu dem, was anderen Spitz­mäusen möglich ist, auch den Bereich der Ge­wässer zu Nahrungszwecken nutzen, ist die Art Neomys fodiens doch von einer bemer­kenswerten ökologischen Breite.

Einer weiteren Verbreitung sind anderer­seits dadurch Grenzen gesetzt, dass Was­serspitz­mäuse wegen ihrer Körpergröße und ihres Ge­wichts einen hohen Nah­rungsbedarf haben. Ein großer Teil dessen, wovon sie leben (siehe unten), ist in den Wintermonaten nicht vorhan­den oder nicht leicht zu erbeuten. Solche Ein­schrän­kungen treten in ihrem Verbreitungsgebiet häufiger auf und verhindern eine stärkere Aus­breitung der Art. Waldspitzmäuse (Sorex araneus) sind, wie man an Gewöllen ausgezählt hat, in Deutschland zwanzig­mal häufiger als Wasser­spitzmäuse. Das mag kein zuverlässiges Maß sein und es wäre besser, es lägen konkrete Auszäh­lungen pro Flächenein­heit vor. Man be­kommt aber doch eine Vorstellung von der letztlich begrenzten Ausbreitungs­möglichkeiten der Wasserspitzmaus.

Dort wo Wasserspitzmäuse und Sumpf­spitz­mäuse am gleichen Ort vorkommen, machen sich unter ungünstigen Bedin­gungen die ökolo­gischen Unterschiede der beiden nah verwand­ten Arten bemerkbar. In trockenen Sommern kann die Sumpf­spitzmaus mehr als die Wasser­spitzmaus auf landlebende Beutetiere auswei­chen, andererseits aber nicht in tieferen Gewäs­sern Nahrung fin­den. Für den Aufenthalt im Wasser sind Wasserspitzmäuse besser ausge­rüstet.

Die Dichte, mit der Wasserspitzmäuse eine Ge­gend besiedeln, ist Schwankungen unterworfen, zeitweise können sie ganz aus einer Region ver­schwinden, in der sie sich später wieder ansie­deln. Es ist jedoch fraglich, ob für diese Popula­tionsschwan­kungen die Winterkälte verantwort­lich ist, wie man nach dem eben Gesagten ver­muten darf. Nach dem harten Winter 1995/96 (46 Eistage, Durchschnittstempe­ratur - 1,69°C) musste man aus der Anzahl der Tiere, die sich in Fallen fingen, einen größeren Bestand errechnen als nach den milderen Wintern 1993/94 (13 Eistage, Durchschnittstemperatur +1,69°C) und 1994/95 (19 Eistage, Durchschnittstempe­ratur +1,80°C, Angaben der Wetterwarte Süd). Win­terliche Schwankungen der Populationsdichte gehen nach näheren Untersuchungen nicht mit Änderungen bei möglichen Beutetieren einher, weder in deren Biomasse noch in der Individu­enzahl. Populationsschwankungen lassen sich auch als Folge der Ausweitung von Territorien (siehe unten) oder auch der wechselnden Was­serstände erklären. Bei hohem Wasserstand nimmt nach einer Untersuchung in Sibirien die Anzahl weiblicher Tiere zu, damit wächst die Po­pulation an und verjüngt sich. Austrock­nung des Wohnareals einer Po­pulation führt hingegen dazu, dass Wasserspitz­mäuse nur an einigen Stellen wohnen bleiben, womit die Besiedlungs­dichte sich reduziert.

Wasserspitzmäuse werden im Durch­schnitt 18 Monate alt.


Aktivität und
Bewe­gungsformen

Wasserspitzmäuse sind sehr viel mehr als die anderen Spitzmäuse auch tagsüber unterwegs, und zwar das ganze Jahr über, denn sie kennen keinen Winterschlaf. Ins­gesamt sind sie an 12 von 24 Stunden ak­tiv, ein Zeitraum, der sich in acht Phasen von unterschiedlicher Dauer auf­teilt. Im Winter scheint die Aktivität allerdings geringer zu sein. Einen großen Teil der Zeit verbringen sie im Wasser, das sie nur aufsuchen, um Beute zu finden. In Labor­versuchen gingen sie nicht ins Wasser, wenn es keine Beutetiere enthielt. Auch bei Lufttemperaturen von -10° verbrach­ten sie – summiert – anderthalb Stun­den bei Tauchgängen im Wasser. An Land hal­ten sie sich zwischen den Tauchgängen auf, zum Fressen oder für längere Ruhe­perioden, aber auch zur Nahrungssu­che. Wenn sie das Wasser für längere Zeit ver­lassen, suchen sie rasch Spalten, Nischen und Höhlungen auf, die ihre Siedlungsge­gend ihnen bieten sollte. Dabei fin­den sie sich mittels ihres Tastsinnes, ihres Ge­ruchssinnes, aber auch mittels des Sehens zu­recht. Mehr als die Hälfte der Zeit an Land verbringen sie in Uferabschnitten, die mit mög­lichst unterschiedlicher Vege­tation bedeckt und auch sonst struktur­reich sind. Von solchen Stel­len aus ver­schaffen sie sich einen geruchlichen Über­blick über die Umgebung. Über freie, leicht einsehbare Stellen eilen sie hinweg und vermei­den es, dort zu jagen, zu fres­sen oder sich zu paaren. Dieses Verhalten ist als Risiko­vermei­dung zu verstehen. Sie erreichen dabei Ge­schwindigkeiten von 3 km/h, springen aber auch und klettern.

An der Wasseroberfläche schwimmen sie nur kurz oder liegen still. Dieses Schwimmen, zu welchem alle vier Füße benutzt werden, ist die Fortsetzung des Laufens an Land. Anders als beim Laufen sind die Borsten an den Hinter­füßen und am Schwanz abgespreizt. Der Schwanz kann nicht als Steuerruder für den so viel schwereren Rumpf eingesetzt werden; er soll Gleichgewichts­funktion haben. Glei­ches gilt für das Schwimmen im Wasser­körper.

Wasserspitzmäuse tauchen, um längere Strecken zurückzulegen oder um Beute zu suchen.

Mit großer Intensität und hastigen Bewe­gungen suchen sie nach Nahrung und kommen an einem Tag auf tausend Tauchgänge, was einer zurück­gelegten Strecke von – je nach Bachtiefe – 500 bis 2000 m entspricht. Zwischen den einzel­nen Tauchgängen, die sie mehr als zwan­zigmal hin­terein­ander durchführen, gibt es nur sehr kurze Pausen, in denen sie an Land die Beute fressen. Rund drei Viertel der Tauchgänge sind erfolg­reich.

Die Tiere halten sich in der Regel dicht über dem Gewässerboden. Bei einem als Tauchgrün­deln bezeichneten Vorgang stehen sie unausge­setzt rudernd fast kopfüber im Wasser und su­chen tastend am Boden nach Nahrung. Der Körper ist im Wasser langgestreckt mit einem Län­gen-Breiten-Verhältnis von 4:1. Dennoch muss er einen Auftrieb 70 mN überwin­den, was einen star­ken Vortrieb nötig macht. Diesen Vortrieb erreichen die Tiere vor allem mit den ruderartigen, beborste­ten Hinterfüßen, die kreuzweise mit den Vorderfüßen wechselnd achtmal pro Se­kunde abwärts geschlagen wer­den. Unter diesen Verhältnissen scheint es nicht möglich, dass sie am Grunde des Gewäs­sers laufen, wie gelegentlich dargestellt wird. Zudem halten sie beim Tauchen den Körper vorn tiefer als hinten. Damit liegen die Hinterbeine über dem Körperschwer­punkt es entsteht ein Strö­mungsdruck auf den Vorderkörper.

Der starke Auftrieb wird auch erheblich durch die Luft verursacht, die beim Tau­chen zwischen den Grannenhaaren ge­halten wird und dem Tier im Wasser einen silbrigen Schein verleiht. Offenbar hat das Fell wasserabstoßende Eigen­schaften, die mit einer elektrostatischen Aufla­dung der Haare erklärt werden. Dieser Schutz hält nicht lange an und bei längerem Aufent­halt im Wasser wird das Fell nass, so dass es beim Landgang ge­trocknet werden muss. Man kann be­obachten, wie Wasser­spitzmäuse nach dem Landen durch Pflanzendickichte oder Gänge kriechen, vermutlich um auf diese Weise das Fell zu trocknen und die hydrophoben Eigen­schaf­ten wieder her­zustellen. Verhindert man experi­mentell diese Trocknung, erkranken die Tiere. Geht man noch einen Schritt weiter und macht - etwa durch ein Antistatiktuch – das Fell benetz­bar und zwingt das Tier anschließend, zu schwimmen, so sinkt die Körpertempera­tur von einem Ausgangs­wert bei 37,5° C um 1,1° pro Minute. Mit einem unbehan­delten, wasserabwei­senden Fell und bei einer Wassertemperatur von 2,6° C liegt die Körpertemperatur auch nach 6 Minu­ten erzwungenen Schwim­mens noch bei 37,4° C. Bei alten Tieren ist das Fell leichter benetzbar.

Der Energiegewinn eines erfolgreichen Beute­tauchens dient zum Teil dazu, die durch eben diesen Tauchgang gesunkene Körpertemperatur wieder zu erhöhen. Bei dieser Überlegung wird angegeben, dass die Körpertemperatur in 5° C kaltem Was­ser bei 20 Sekunden Tauchdauer um ca 0,3° C sinkt. Ob diese abweichenden Anga­ben zum Temperaturverlust durch den Unter­schied zwischen Schwimmen und Tauchen zu erklären sind, bleibt zu klären. Aus ähnlichen energeti­schen Gründen darf das Tier seine Beutesuche auch nicht in allzu große Entfernun­gen vom Wohnbezirk ausdehnen, weil es sonst zu viel Energie allein durch die Überwin­dung des Weges aufbringen müsste.

Wasserspitzmäuse bleiben nach verschie­denen Angaben zwischen 4 und 24 Se­kunden unter Wasser. Die längste Zeit von 24 Sekunden wird für einen 2 m tiefen Bach angegeben, die kürze­ren für flache, dicht mit Pflanzen bewachsene Gewässer. Als größte von einer Wasserspitzmaus erreichte Tiefe gilt 8 m.

Zum Auftauchen reicht es, den Kopf an­zuhe­ben, der Auftrieb allein bringt den Körper dann nach oben, auch zusammen mit der Beute. Im Laborversuch waren Wasserspitzmäuse in der Lage, mit Blei gefüllte, 12,8 g schwere Schneckengehäuse als Beute an die Oberfläche zu beför­dern. Ihr eigenes Gewicht betrug schon 16 g.


Nahrung

Wasserspitzmäuse benötigen mehr als ihr eige­nes Körpergewicht an Nahrung, mehr als drei Viertel davon ist nach zwei Stun­den bereits ver­daut. Sie stehen somit vor der Notwendigkeit, viele Beutetiere zu finden und stehen zugleich einem jahres­zeitlich oder witterungsbedingt schwan­kenden und variablen Angebot gegen­über. So ist es zu verstehen, dass sie ein sehr breites Beutespektrum haben – das brei­teste unter den heimischen Spitzmaus­arten – und variable Methoden des Beute­erwerbs.

Ihre Nahrung suchen sie sowohl am Tage wie in der Nacht, sowohl im Wasser wie auch an Land, wo sie ebenso wie im Was­ser die ganze ihnen zugängliche Fülle an­nehmen und nicht weniger gründlich auf Jagd sind. Man kann dann beo­bachten, wie sie unablässig mit dem Rüssel nach Fressbarem suchen; am Tag sollen es tau­send Tauchgänge sein, bei drei Vierteln davon bringt sie Beute nach oben. Ver­schiebt sich mit den Jahreszeiten die Ar­tenvielfalt, so spiegelt sich das typi­scher­weise in der Zusammensetzung der von Wasserspitzmäusen aufgenommenen Nahrung. Sie wählen die Fläche, die sie durchstreifen, aber auch danach aus, wie weit entfernt sie von ihrem Bau oder an­deren Höhlen ist, in denen sie die Beute fressen oder horten können. Der Gewinn an Energie aus dem Beutestück darf nicht von dem Verlust durch einen langen Weg wieder zu­nichte gemacht werden. Was­sertiere stellen min­destens ein Drittel, häu­fig mehr als zwei Drittel bis hin zur Ge­samtheit ihrer Beute. Wasser­spitzmäuse sind fähig, sich ertragreiche Fundorte zu merken und so lange gezielt anzu­schwimmen, bis diese ausgeschöpft sind. Sie merken und behalten es auch, wenn eine Futterquelle nicht mehr existiert oder wo sich eine neue aufgetan hat.

Das alles bedeutet aber nicht, dass Was­serspitz­mäuse wahllos fressen. Ihr Aus­wahlprinzip ist die leichte Erreichbarkeit von Nahrung. Wenn sie die Wahl und die Fähigkeiten haben, schlagen sie lieber grö­ßere Beutetiere, oft genug liegt de­ren Größe aber zwischen 3 und 5 cm. Bei Was­ser­schnecken scheinen sie wählerischer zu sein, sie nehmen sie auch in Laboruntersu­chungen nur widerwillig und in nicht zu großen Exempla­ren. Vermutlich ist ihnen die Dicke der Schalen hin­derlich, mehr als 0,3 mm dick darf die Schale nicht sein, wenn sie noch aufgebissen werden soll. Freilich wird nicht immer im Moment des Fangs über die Beute entschieden: Wasser­spitz­mäuse schleppen auch Steine oder andere unge­nießbare Objekte zum Fressen an Land.

Als genießbare Beutetiere holen sie aus dem Wasser:


  • Schnecken, zum Beispiel die Schlamm­schnecken Lymnaea stag­nalis und L. auri­cularia

  • Muscheln, zum Beispiel die Erbsen­muschel Pisidium

  • Borstenwürmer, Egel

  • Krebse: häufig Bachflohkrebse (Gammari­dae), Wasserasseln (Asel­lus)

  • Insekten, zum Beispiel Wasserkä­fer, Was­serwanzen sowie Larven von Libel­len, Eintagsflie­gen, Kä­fern, Mücken, Fliegen, Steinflie­gen und Köcherfliegen

  • Fischlaich, Fischlarven und ausge­wach­sene Fische bis zu einer Größe von 10 bis 13 cm, bevorzugt Schleien und Ka­rauschen, weil sie leichter zu erbeuten sind als an­dere, in Fischteichen gehen sie auch an Karpfen und Hechte. Ein Hecht wurde auch in einer Höhle mit auf­gesta­pelter Nahrung gefunden, ebenso eine Quappe, Lota lota.

  • Frösche, zum Beispiel Grasfrosch und Moorfrosch, sowie Froschlaich und Kaulquappen

  • Molche (Teichmolch)

An Land nehmen sie:



  • Schnecken

  • Regenwürmer

  • Asseln

  • Spinnen, Weberknechte, Milben, Pseudo­skorpione

  • Hunderfüßer (Lithobiidae, Geophili­dae), Tausendfüßer

  • Springschwänze, Kurzflügelkäfer, Amei­sen, Hautflüglerlarven, Flie­genlarven, Schmetterlings­raupen

  • Mäuse

  • Vögel

Wohl eher als Ausnahme finden sich auch pflanzliche Stoffe in ihrer Nahrung.


An einem bestimmten Standort werden die Was­serspitzmäuse natürlich immer nur eine Aus­wahl vorfinden, die sich im Laufe des Jahres ebenso natürlich auch ändert. So gibt es zum Beispiel einen deutlichen Mengenwechsel bei bestimm­ten Insektenlarven und bei Wasser­schne­cken. An verschiedenen Orten, auch in einem in 1500 m Höhe fließenden Ge­birgsbach wurde erkannt, dass auch im Winter ein viel­leicht weniger umfangrei­ches, aber ausreichen­des Nahrungsange­bot zur Verfügung steht, wenn die Tiere ihr Territorium ausweiten oder auch völlig darauf verzichten, Territoriengrenzen ein­zuhalten. Wenn dann viele ihrer Nah­rungs­quellen nicht mehr sprudeln, suchen die Wasser­spitzmäuse gerne offene Fisch­teiche auf, wo große Fische den Verlust zahlrei­cher kleiner Insekten kompensieren müssen. Sie sind bei zugefrorenem Was­ser auch bereit, un­übliche Nahrung zu sich zu nehmen, nämlich Aas von Hüh­nern oder auch von eigenen Artge­nossen. Trotzdem weiß man, dass Wasserspitz­mäuse im Winter bis zu einem Viertel an Gewicht verlieren können.

Nach Tieren, die sich im Wasserkörper aufhalten oder über dem Grund stehen, schnappen sie beim Tauchen. Verfehlen sie das Beutetier, was nicht selten der Fall ist, so verfolgen sie es nicht. Man kann also bei den Wasserspitzmäuse nicht von Jagd sprechen. Fische werden im Rücken oder an der Schwanzwurzel gepackt, grö­ßeren Fischen, etwa in Fischteichen und dort sogar Karpfen springen sie auf den Rücken und fres­sen zuerst die Augen und das Gehirn. Auf diese Weise werden bo­dennah lebende Fische eher ihre Opfer als weiter oben schwimmende. Ähn­lich ver­fahren sie mit Mäusen.

Die meisten Wassertiere findet sie aber bei dem mit Tauchgründeln bezeichneten Verhalten (siehe oben). Sie lassen sich dazu entweder von ihren mehr als 1 cm langen Tasthaaren leiten oder suchen ge­zielt mit deren Hilfe unter Stei­nen, in Spalten oder im Bodensatz und Schlamm. Die Aktivität der Beutetiere selbst spielt keine Rolle. Köcherfliegenlarven fassen sie mit den Zähnen am Kopf und ziehen sie aus den Köchern heraus. In flachem Was­ser, an feuchten und schlammigen Orten oder an Land verlaufen Beutewahl und Fang in ähnlicher Weise.

Wasserspitzmäuse sind rasch mit ihrer Beute fertig. Tiere, die sie am Ufer gefan­gen haben, fressen die sie in der Regel sofort im nächsten Bodenspalt. Tiere, die sie im Wasser erobern, tragen sie, die ja nur kurz unter Wasser bleiben können, ans Ufer, um sie dort zu töten oder gleich zu fressen. Man kann deshalb an Ufern von bestimmten Seen oder Fischteichen Ansammlungen von Überresten der glei­chen Art wie Schleien oder Schlamm­schnecken antreffen.

Wie immer bemüht, risikoreiche Situatio­nen zu vermeiden, fressen Wasserspitz­mäuse ihre Beute in Spalten und Höhlen versteckt gleich auf, wenn sie sie nicht in ihren Wohnbau tragen, um sie dort zu horten. Fischsammelplätze mit toten, aber nicht angefressenen Fischen, etwa Moder-lieschen, die bereits zwei Tage dort lagen, hat man in der Nähe ergiebiger Fischteiche gefun­den, Schneckensammelplätze im pflanzlichen Unterwuchs mit nicht zu großen Schalen von Schlamm­schnecken. Sind von einem Fisch Eingeweide und Muskulatur verzehrt, so lässt die Wasser­spitz­maus den Rest verwesen, ohne weiter davon zu fressen. Schuppen und Kno­chen größerer Fische lässt sie liegen, kleinere Fische und Wirbellose werden zur Gänze ver­speist, von Mäusen lässt sie nur Schwanz und Extremitäten übrig. Wasser­schnecken sind zwar nicht die Lieblings­speise der Wasserspitzmäuse , sie nehmen sie aber an, wenn sie einfacher zu erlangen sind als andere Beute und nicht zu groß. Immerhin waren die größten Lymnaen 26 mm breit und 6 cm lang.

Zum Trinken lecken oder saugen sie Was­ser auf. Nach dem Fressen putzen sie sich.

Der Speichel der Wasserspitzmäuse ent­hält eine toxisch wirksame Substanz. Wenn man sie Mäu­sen oder Wühlmäusen injiziert, ruft sie Krämpfe, Lähmungen und anämische Reaktionen hervor. Die letale Dosis liegt für Mäuse bei 0.5 bis 1.0 mg/20 g. Beim Kaninchen zeigt sich eine Wir­kung auf Atmung und Blutdruck. Na­getiere oder Kaninchen gehören eher sel­ten zur Nah­rung von Wasserspitzmäu­sen, aber auch bei Fröschen und Fischen (Ka­rauschen) soll zumindest vorü­berge­hend eine Wirkung eintraten. Für Insekten und andere Wirbellose ist eine Giftwir­kung nicht ohne weitere Prüfung anzu­nehmen.
Sozialleben

Wasserspitzmäuse leben die meiste Zeit solitär, eine überindividuelle soziale Struktur ist nicht bekannt, auch wenn sie die Tiere in bestimmten Situationen (Überlandwanderungen) zueinander ge­sellen. In Notfällen, wie Überschwem­mungen, Hochwasser oder Eisgang sie darstellen, behel­fen die Tiere sich auch zu mehreren in einer gemeinsamen Notun­terkunft zwischen Eis­brocken oder auf Inselchen. Anscheinend kön­nen sie einan­der dort einigermaßen ertragen. Im güns­tigen Normalfall wohnen aber sowohl männliche wie weibliche Tiere in Einzel­territo­rien. Diese Terri­torien ziehen sich über 20, 50 oder auch 80 m an Gewässer­ufern entlang, ge­hen aber nicht weit ins Land hinein. An den Berührungslinien zweier territorial besetzter Wohngebiete ist die Grenze nicht eindeutig fest­gelegt, die Gebiete überlappen einander. Im Winter werden die Aktionsräume und damit die Territorien ausgeweitet, weil die Tiere jetzt umso mehr auf Zugang zu Nah­rungs­quellen achten müssen. Freilich er­weitern sie die Grenzen ihrer Territorien auch dort, wo der Nahrungsstrom nicht abreißt, wie in dem Alpenfluss, dessen Temperatur im Jahr nur zwischen 5,9 und 13,3° C schwankt und der vor allem Floh­krebse stets in ausreichender Menge bietet. Auch andere Beobachtungen sprechen dafür, dass die Territo­rien zusammenbre­chen, weil die Tiere sich auf die erweiterte Suche nach Beute machen müs­sen. Wenn sie ihre Territorien aus­weiten und größere Gebiete durchwandern, sinkt die Popu­lationsdichte in diesem Areal. Es wurde aber nicht nachgewiesen, dass die Bio­masse an po­tentieller Nahrung ebenfalls abnimmt.

Die jeweiligen Inhaber von Territorien sollen einander nicht begegnen - das ist eine der Funk­tio­nen von territorialen Ab­grenzungen. Wenn es bei Wasser­spitz­mäuse aber doch zu Begegnun­gen kommt, so sind es Verteidigungskämpfe, die mit Zähnen und Füßen ausgetragen werden. Ähnli­che antagonistische Ver­haltenswei­sen legen sie an den Tag, wenn man sie künstlich zusam­men­sperrt oder wenn mehrere Jungtiere an einem Trog gefüttert werden. Auch unter sol­chen Bedin­gungen suchen sie einander aus dem Weg zu ge­hen.

Lediglich für die Dauer der Paarungszeit (zwi­schen April und September) nimmt der Sozial­kon­takt in Form des Sexualkon­takts zu. Die männlichen Tiere verlassen dann gern ihre Wohngebiete, wandern umher und verfolgen die weibliche Tiere, die an ihren Territorien festhal­ten und weiter­hin keinen sozialen Umgang pfle­gen. Mit dem Ende der Paarungszeit endet auch diese Form des Soziallebens wieder.

Sind die weiblichen Tiere aber trächtig, sollen sie Eindringlingen gegenüber häu­figer aggressive Haltung einnehmen. Diese Beobachtungen stammen allerdings aus Untersuchungen, bei denen die Tiere unter unnatürlichen Bedingun­gen in Boxen untergebracht waren. Im Verlaufe der aggressiven Aktionen wurden drei verschie­dene akustische Signale abgege­ben, die verschie­denen Stimmungslagen zugeschrieben werden.

Bei genauerem Hinhören lassen sich beim Kon­takt mit Artgenossen acht verschie­dene Stimm­äußerungen erkennen:



  • Ein so genannter Positionsruf von 14-25 ms Dauer und einer Ampli­tude von 4-7 kHz cha­rakterisiert unspezifisches Ver­halten oder un­gewohnte Situationen

  • Ein Erkundungsruf (2.5-7 ms, 14 kHz) begleitet ein suchendes Her­umblicken nach oben und wird in Sequenzen abge­geben

  • Ein kurzer, lauter Schreckruf

  • Ein Aktivierungsruf von 50 ms, 2 kHz oder 4-12 kHz wird als selten bezeichnet und nach Störungen ab­gegeben

  • Ein Kontaktruf mit dem Jungtiere im Nest vom 13. Tag nach der Ge­burt an die Mutter begrüßen

  • Ein Kontaktruf von unterschiedli­cher Dauer (45-240 ms) und 6-15 kHz, wird zwischen mehreren Tie­ren, die nahe bei­einander sind, ab­gegeben. Verschiedene Varianten sollen emotionalen Ausdruck wie­dergeben. Dominante Tiere sollen kurz rufen, unterlegene lange Rufe abge­ben. Da es sich um solitäre Tiere han­delt, kann nicht von sozi­alen Status­un­terschiede die Rede sein und die Domi­nanz muss sich auf andere Eigenschaf­ten bezie­hen; in der Regel ist der Inha­ber des Territoriums das dominante Tier

  • Abwehrruf I: eine Folge von 60 kur­zen Rufen (7-16 kHz) kenn­zeichnet eine Be­gegnung zwischen zwei Tie­ren und geht oft in einen

  • Abwehrruf II über: Ein Ruf von 1,3 ms und bis 16 kHz, der hohe Erre­gung an­zeigt und enges Miteinan­der und Kämpfe begleitet.

  • Außerdem rascheln die Tiere auf dem Boden oder zwischen Pflan­zen, wenn sie einen Artge­nossen ahnen (riechen?), aber nicht sehen.

Reproduktion

Wasserspitzmäuse, die früh im Jahr, also etwa im April geboren werden, können noch im gleichen Jahr geschlechtsreif wer­den. Die meisten sind aber erst im darauf­folgenden Frühjahr soweit, weil ein nah­rungsarmer Winter die Dauer bis zur Ge­schlechtsreife auf acht Monate aus­dehnen kann.

Die Zeitspanne, innerhalb derer die Ge­schlech­ter paarungsbereit sind, beginnt im April und kann sich bis zum September hinziehen, und da von der Paarung bis zur Entwöhnung der Jun­gen rund drei Mo­nate vergehen, kann ein weibli­ches Tier drei Geburten im Jahr haben.

Bevor es zur eigentlichen Paarung kommt, ver­folgt das männliche Tier das Weibchen, das sich mitunter bis auf den Gewässer­grund flüchtet, oft viele Minuten lang. Es gibt dabei Folgen von kurzen Tönen von sich (zwischen 7 und 12 kHz), die viel­leicht die Annäherung an das sonst ab­wehrende weibliche Tier erleichtern. Diese lassen zirpende Laute hören, wenn sie einem Mann begegnen. Angaben, Wasser­spitzmäuse lebten zumindest zeitweilig in fester Paarbindung und seien somit mo­nogam, müssen angezweifelt werden, weil ihnen Beobachtungen entgegen stehen, die eher auf Promiskuität hinweisen. Wie oben beschrieben, halten die weiblichen Tiere auch in der Paarungszeit, also den Sommer über, an ihren Territorien fest, während die männli­chen Was­serspitz­mäuse mehr oder weniger umherwan­dern. Vielleicht verhindert die Wande­rung der männlichen Tiere, dass sich im Herbst oder im nächsten Frühjahr die Elterntiere mit ihren eige­nen Jungen paaren.

Zwischen der erfolgreichen Begattung und der Geburt liegen 20, 24 oder 28 Tage. Die heranna­hende Geburt wird dadurch er­kennbar, dass das angehende Muttertier an ihrem Nest baut und es für die zu er­wartenden Jungen gut auspolstert. Die vier bis acht, maximal zehn bis fünfzehn, meist aber fünf oder sechs Jungen werden in­nerhalb einer halben Stunde von dem auf der Seite liegenden Muttertier gebo­ren. Die Mutter ist dabei insofern behilf­lich, als sie die Frucht­blase auf­beißt und frisst. Nach der Geburt verlässt sie das Nest, kommt aber immer wieder zurück, um die Neugeborenen an ihren vier oder fünf Zitzen zu säugen oder zu überwa­chen und das Nest gegen mögliche Bedro­hung zu verteidi­gen. In experimentellen Beobachtungssituatio­nen waren Mutter­tiere mit Jungen wesentlich angriffslusti­ger als es Wasserspitzmäuse norma­ler­weise untereinander oder auch gegenüber den verwandten Sumpfspitzmäusen sind.

Die Neugeborenen sind bei der Geburt blind und scheuen das Licht. Die Lippen trennen sich am 12. Tag voneinander, die Ohren öffnen sich am 18. Tag. Erst nach drei Wochen öffnen sich die Augen, die Finger und die Zehen lösen sich vonein­ander und dann beginnen die jungen Tiere, immer wieder das Nest zu verlas­sen. Das wird aber vom Muttertier nicht geduldet. Sie packt das heraus gelaufene Junge am Maul und zieht es ins Nest zu­rück. Ein solcher Maul-zu-Maul-Kon­takt ist auch sonst zwischen der Mutter und ihren Nachkommen zu beobachten. Ver­mutlich nehmen die Jungen dabei Flüssig­keit aus dem Maul der Mutter auf. Die Jungen, die in der ersten Woche nach der Geburt seltsame Kreiselbewegungen zei­gen, können vom 24. Tag an im Wasser schwimmen und tauchen, obwohl der Borstenkiel unter dem Schwanz erst sechs Tage später auswächst, und ab dem 27. Tag springen sie. Ab dieser Zeit nehmen sie neben der Muttermilch auch feste Nah­rung. Nun wechseln sie das jugendliche Haar gegen die typischen, dunkel-glän­zenden Haare aus. Bis sie in der Lage sind, ein Schneckenhaus zu öffnen, vergehen allerdings noch weitere vier Wochen. Vier bis fünf Wochen nach der Geburt ist die Mutter nicht mehr fä­hig, die dann rund 10 g schweren Jungtiere ins Nest zurückzu­holen und nach der fünften Woche wer­den sie nicht mehr gesäugt.

An der Aufzucht der Jungen sind die männli­chen Tiere anscheinend nicht betei­ligt.


Zwischenartliches

Für die Wasserspitzmäuse sind andere Arten entweder Beute oder Feinde oder gleichgültig. Eine uneindeutige Stellung zwischen diesen drei Gruppen scheint die nächstverwandte Sumpf­spitz­maus, Neo­mys anomalus, einzunehmen. Normaler­weise gehen beide einander aus dem Weg, wie übrigens ja auch die Wasserspitz­mäuse einander meiden. Doch sind Bach­läufe bekannt, an denen sie nebeneinander leben, ohne sich zu behelligen. Die am Wasser ökologisch unterle­gene Sumpf­spitzmaus hält sich in diesem Fall mehr an landlebende Beute. Sperrt man jedoch im Laborver­such beide Arten zusammen, so macht sich die größere Aggressivität der Wasser­spitzmaus be­merkbar: Angriffe auf die als Ein­dringlinge empfundenen Sumpfspitzmäuse sind intensiver als zwi­schen Wasserspitzmäusen un­tereinan­der, die widernatürlich zusammen gehal­ten werden.

Feinde der Wasserspitzmäuse sind natür­licher­weise alle Säuger und Vögel, die auch sonst Spitz­mäuse oder Mäuse jagen: Wiesel, Fuchs, Greifvögel, Eulen. In 329 Gewöllen der Schlei­ereule wurden zwölf­mal Reste von Wasserspitz­mäusen gefun­den – das ist nicht übermäßig viel. Ein Gänsesäger (Mergus mer­ganser) wurde dabei beobachtet, wie er eine Was­ser­spitzmaus fing und tötete, aber nicht ver­schlingen konnte. Zusätzlich können für die das Wasser aufsuchenden Tiere auch größere fleisch­fressende Fische, wie etwa Hechte, Feinde sein.

Indirekter Feind ist der Mensch, der zwar im allgemeine Wasserspitzmäuse nur dann gezielt ver­folgt, wenn sie in einem Fischteich an Laich oder Fischen schädlich werden. Doch richten Menschen durch Maßnamen, die gar nicht auf die Wasser­spitzmaus zielen, größeren Schaden in deren Populationen an. Zu diesen Maß­nahmen zählen Uferverbauung, Zerstö­rung von Ufer­vegetation und Uferstruktu­ren und Minderung der Wasserqualität. Derartige Eingriffe wirken zum einen schädlich, indem sie den Lebensraum von Wasserspitzmäusen einschränken und zum Zusammenbruch größerer Populati­onen führen; zum anderen, indem sie auch den Lebensraum der Beutetiere beengen und zerstören. Dieser Zusammenhang ist so eng, dass man hat vor­schla­gen können, das Vorkommen der Wasser­spitzmaus als Anzeiger für die Güte des jeweili­gen Ge­wässers zu nutzen.

Zur Erhaltung des Lebensraums oder auch für eine Wiederbesiedlung mit Wasser­spitzmäusen sind daraus die folgenden notwendigen Maß­nahmen abgeleitet wor­den:


  • „Keine Krautungsmaßnahmen in Natur­schutzgebieten und naturna­hen Fließge­wässern, möglichst eine Selbstentwick­lung gewähren; falls kein ausreichender Abfluss mög­lich ist, nur halbseitige und ab­schnittweise Gewässerunterhal­tungs­maßnahmen

  • Belassen von Totholz im Gewässer, da durch diese natürlichen Wehre sich wechselnde Strömungsver­hältnisse ein­stellen, die länger eis­frei bleiben können.

  • . Keine Böschungsarbeiten und Uferbe­festigungen, die zu einer Zerstörung der Uferstruktu­ren füh­ren.

  • Durch Extensivierung eines mindes­tens5 m breiten Uferstrei­fens sollen na­turnahe Verhält­nisse erreicht werden.

  • Arbeiten sind nur in mehrjährigen Ab­ständen auszuführen, um nega­tive öko­logischen Folgen zu mini­mieren

  • Kein weiterer Verbau von Gewäs­sern

  • Einordnen der Gewässer in langfris­tige Naturschutzplanungen auf Kreisebene und Erstel­len von Gewässerplänen, die die Belange des modernen Naturschut­zes um­fassend be­rücksichtigen.“

(nach Köhler, 1998)
E ist keine Frage, dass diese Maßnahmen einer Reihe weiterer Wasserorganismen zu Gute kä­men, nicht nur den Wasserspitz­mäusen.

Schutzgebiete für Wasserspitzmäuse sind z.B. der Drömling (obere Aller) und das Presseler Heide- und Moorgebiet (Elbe-Mulde-Tiefland).


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