Deutsche Mundarten




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Deutsche Mundarten

Unter deutschen Mundarten kann man diejenigen Varietäten der deutschen Sprache verstehen, die selbst keine zur Standardsprache ausgebaute Sprechweise darstellen (Ausbausprache) und sich nicht einem anderen Sprachsystem (Abstandsprache) zuordnen lassen.






Allgemeines

Bei den Varietäten kann man unterscheiden zwischen Standardvarietäten, z.B. Schweizer Hochdeutsch oder Österreichisches Deutsch, und Nonstandardvarietäten, z.B. Sächsisch oder Kölsch (Ammon 1994:370). Unter letzteren werden gemeinhin die eigentlichen Mundarten verstanden. Etwas ist Sprache oder Dialekt jedoch nur in Bezug auf etwas anderes. Der begriffliche Status der Bezeichnungen von Sprachvarietäten kann sich wandeln.

Der vom Griechischen (dialectos) und Römischen (dialectus) tradierte Ausdruck "Dialekt" wird seit dem 16. Jahrhundert in europäischen Quellen verwendet und beherrscht viele Bereiche des deutschen Sprachraums sowie die internationale Diskussion. Im Norden ist auch der Ausdruck "Platt" (oder "Plattdeutsch") verbreitet. "Platt" ist vermutlich ein niederfränkischer Ausdruck und bedeutete "verständlich", "deutlich", war also anfangs keineswegs negativ konnotiert. Der Begriff "Mundart" war im 17. Jahrhundert als Synonym für "Dialekt" aufgekommen. Im 19. Jahrhundert versuchte Jacob Grimm, zwischen Dialekt (großräumiger) und Mundart (kleinräumiger) zu unterscheiden. In der NS-Zeit wurde "Mundart" propagiert und die "Ausmerzung" des Begriffes "Dialekt" angestrebt.

Die Bezeichnungen der Dialekte haben verschiedene Bildungsformen: das oder der Dialekt (z.B. "das Eitorfer Dialekt"), adjektivisch (z.B. Münchnerisch, Schwäbisch), Zusammensetzung mit "-deutsch" (z.B. "Berndeutsch"), Ort oder Region plus "Platt" (z.B. Aachener Platt, Lothringer Platt)..

Nicht nur verschiedene Dialekte unterscheiden sich voneinander, auch Dialekte an sich (die "Dialektalität") sind mannigfaltig. Diesbezüglich geht man von zwei sich gegenüberliegenden Polen aus, der gesprochenen Standardsprache (mündliche Umsetzung der Schriftsprache) einerseits, und den Basisdialekten andererseits. Die traditionelle deutsche Dialektologie konzentrierte sich auf die Basisdialekte, also auf die größte Standardferne. Die "neue Dialektologie" begreift Dialekte demgegenüber als ein Gesamtspektrum, ein "Kontinuum", das sich zwischen Basisdialekt und Standardsprache aufspannt. Dieses Spektrum ist jedoch nicht per se gliederbar, gleichwohl gab und gibt es solche Versuche (vgl. Synopse in Niebaum/Macha 2006:7).. Beispielsweise geht Werner König (2004:134) aus von Standardsprache, Umgangssprache und Basisdialekt.

Eine neue Richtung auch der deutschen Dialektologie ist die Sozio-Dialektologie (auch "Sprecher-Dialektologie"), die den Fokus auf die Tatsache der individuellen Verwendung verschiedener Varietäten lenkt.

"Dialekte sind heute keine ausschließlich raumgebundenen Varietäten mehr, wenn sie es überhaupt je waren. Dialekte sind sprachliche Existenzformen, die eingebunden sind in vielfältige [...] gesellschaftliche und situative Bezüge, die nicht ihren Randbereich bilden, sondern das Phänomen der Dialektalität heute zentral prägen." (Mattheier 1980:199)

Verwandtschaften und Abgrenzungen

Die deutschen Mundarten sind Elemente des Dialektkontinuums,das sich vom äußersten Norden (Sprachgrenze zum Dänischen) zum äußersten Süden (Sprachgrenze zum Italienischen) und vom Osten (Sprachgrenze zu den slawischen Sprachen) zum Westen (Sprachgrenze zum Französischen) hinzieht. Aus diesem deutschen Dialektkontinuum heraus haben sich eine niederdeutsche Standardsprache (Amts- und Schriftsprache), das Niederländische und eine hochdeutsche Standardsprache, die Hochdeutsch oder einfach Deutsch, entwickelt. Eine weitere (sich entwickelnde) Standardsprache - mit gewissen Einschränkungen - ist das Luxemburgische.

Die enge sprachliche Verwandtschaft zwischen den Standardsprachen des Niederdeutschen (Niederländisch) und des Hochdeutschen (Deutsch) steht neben der noch engeren Beziehung der Mundarten, da die Staatsgrenzen keine Dialektgrenzen sind.

Neben den Unterschieden haben die hochdeutsche (mittel- und oberdeutsche) Dialektgruppe und die "niederländisch-niederdeutsche" Dialektgruppe (Niederfränkisch, Niedersächsisch und Ostniederdeutsch) einige Gemeinsamkeiten. Die Geschichten beider Mundartgruppen weisen auf eine früher in bestimmten Bereichen vorhandene größere Einheitlichkeit hin. Durch Sprachwandlungen, die ihren Ursprung meist im Südosten haben und als "Zweite Lautverschiebung" zusammengefasst werden, kam es aber während des Mittelalters im heutigen hochdeutschen Raum zu einer so starken Umgestaltung, dass man von einer im Gegensatz zum ursprünglichen, älteren (Nieder-)Deutschen/Niederländischen von einem neuen, eigenständigen Sprachzweig sprechen kann, dem Hochdeutschen. Das Mitteldeutsche wird zwar als Teil des Hochdeutschen definiert, hat aber im Gegensatz zum Oberdeutschen partiell noch ältere (niederdeutsche) Elemente bewahrt.

Das moderne Standarddeutsch ist eine Variante des Hochdeutschen, weswegen sich für das "Standarddeutsch" irreführenderweise auch der Begriff "Hochdeutsch" (im Sinne von Hochsprache) durchgesetzt hat. Das Hochdeutsche (wie Ober-, Mittel- und Niederdeutsch nur topographisch motivierter Ausdruck) hat über den "Umweg" des Standarddeutschen die niederdeutschen Gebiete in Norddeutschland überlagert und dort oft die niederdeutschen Dialekte verdrängt. In den Niederlanden haben sich die älteren Formen (sowohl das überwiegende Niederfränkisch als auch Niedersächsisch) im Gegensatz zu "Niederdeutschland" nicht nur auf Mundartebene bewahren können, sondern sind dort zur Standardsprache ausgebaut worden.




Übersicht

Die Gliederung von Dialekten eines Dialektkontinuums ist ein wissenschaftlich-abstraktes linguistisches Konstrukt. Man könnte die einzelnen Dialekte auch ganz anders gruppieren und klassifizieren, was nicht zuletzt durch die zwischen allen Mundarträumen bestehenden Übergangsdialekte illustriert wird. Trotzdem sind die im 19. Jahrhundert entwickelten Gliederungen - einerseits anhand der Zweiten Lautverschiebung, andererseits nach antik-frühmittelalterlichen Kulturkreisen - bisher nicht ersetzt worden.

Die Gliederung der Dialekte nach dem Grad der Ausbreitung von Merkmalen der Zweiten Lautverschiebung führte zur Unterteilung in Nieder- und Hochdeutsch und zur Einteilung des Hochdeutschen in Mittel- und Oberdeutsch.

Beispiele für die in der Praxis bestehenden Übergänge, die durch die theoretische Gliederung nicht abgebildet sind:

Das Berlinerische, das nieder- und mitteldeutsche Sprachmerkmale aufweist.

Zahlreiche Ortsmundarten der Schweiz, die sowohl hoch- als auch höchstalemannische Sprachmerkmale aufweisen.

Die Zuordnung der Mundarten zu germanischen Gruppen der Antike und des Frühmittelalters (vor allem Franken, Alemannen, Baiern, Sachsen) ist, wie man mittlerweile weiß, problematisch. Die Dialektgeographen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts hofften, einen Beitrag zur Rekonstruktion früherer Siedlungsgebiete germanischer Kulturkreise ("Stämme") leisten zu können. Dies ist jedoch fast überwiegend Aufgabe der Archäologie.

Die sogenannten bairischen und alemannischen Dialekte liegen vollständig im Oberdeutschen, die sächsischen im Mittel- und Niederdeutschen und die fränkisch genannten Mundarten sogar im Nieder-, Mittel- und Oberdeutschen.



Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Hauptgruppen des niederländisch-deutschen Dialektkontinuums. Bei den niederfränkischen, niedersächsisch-westniederdeutschen und westmitteldeutschen Mundarten weist ein N (niederländisch) und ein D (deutsch) zusätzlich auf die Standard-Dachsprache hin. Die in Klammern gesetzten Mundartgruppen existieren heute nicht mehr.

Niederländische und
niederdeutsche Dialekte

Niederfränkisch




Holländisch N

Brabantisch N+D

Limburgisch N+D

Niedersächsisch/
Westniederdeutsch





Westfälisch N+D

Ostfälisch D

Nordniedersächsisch, N+D, incl. Ostfriesischem Platt, D

Ostniederdeutsch




Brandenburgisch/Märkisch

Mecklenburgisch-Vorpommersch

(Ostpommersch)

(Niederpreußisch)

Mitteldeutsche Dialekte

Westmitteldeutsch




Ripuarisch N+D

Moselfränkisch N+D

Rheinfränkisch D

Ostmitteldeutsch




Thüringisch-Obersächsisch

(Schlesisch)

(Hochpreußisch)

Oberdeutsche Dialekte

Nordoberdeutsch




Ostfränkisch

Südfränkisch

Westoberdeutsch
(Alemannisch)





Schwäbisch

Bodenseealemannisch

Oberrheinalemannisch

Hochalemannisch

Höchstalemannisch

Ostoberdeutsch
(Bairisch)





Nordbairisch

Mittelbairisch

Südbairisch


Beispiele deutscher Mundarten

Im Gegensatz zur strukturell-atomistischen, theorielastigen sog. Variationslinguistik betrachte ich die deutschen Mundarten unter ganzheitlichem Aspekt. Jede dialektale Äußerung ist eine sprachliche Schöpfung sui generis, Ausdruck regionaler Mentalität, individueller Meinungs- und Willensbildung, möglicherweise sprachliches Kunstwerk. In diesem Sinne gelten die folgenden - regional getrennten, per Mausklick abrufbaren - Mundartproben, die ich erstmals für eine im Sommersemester 1984 von Walter Haas (jetzt Fribourg) gehaltene Vorlesung (Demo-Band) und dann für spätere eigene Demonstrationen und Lehrveranstaltungen aufbereitet habe.



  1. Nordniederdeutsch
    Halbmundart: Missingsch

  2. Niederfränkisch

  3. Westfälisch (incl. Nordwaldeck) - versuchsweise adaptiert für die LOGOXtm-Engine 4.0
    a) regionale Umgangssprache: Ruhrdeutsch

  4. Ostfälisch

  5. Mecklenburgisch-Vorpommersch - versuchsweise adaptiert für die LOGOXtm-Engine 4.0

  6. Mittelpommersch

  7. Ostpommersch

  8. Niederpreußisch

  9. Hochpreußisch

  10. Brandenburgisch
    a) Berlinisch

  11. Ripuarisch    -   11. a) Mittelfränkisch-Saarländisch

  12. Moselfränkisch

  13. Hessisch:

    1. Zentralhessisch

    2. Osthessisch

    3. Südhessisch

  14. Nordhessisch => Hörprobe (1937); => Kasseläner Homepage

  15. Thüringisch

  16. Nord-Obersächsisch

  17. Obersächsisch

  18. Südmärkisch

  19. Schlesisch

  20. Rheinfränkisch
    Pfälzisch (vgl. zu Pirmasens in meiner Übung v. 24.4.2001)
           Pennsylvania German

  21. Ostfränkisch

  22. Niederalemannisch

  23. Schwäbisch

  24. Hochalemannisch

  25. Höchstalemannisch / Walserdeutsch

  26. Nordbairisch

  27. Mittelbairisch

  28. Südbairisch (incl. Tirol)

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Stand: 15.05.2003
Änderungen und Ergänzungen vorbehalten. (c) W. Näser, Marburg 1996 ff.

Vgl.: http://www.staff.uni-marburg.de/~naeser/dial-bsp.htm



Nach der Zweiten Lautverschiebung


Die Grobgliederung der Unterkapitel folgt in etwa dem Schema "Verbreitungsgebiet - Haupt- und Untergruppen - Abgrenzung / Definition / Probleme".

Niederdeutsche Mundarten

Das niederdeutsche Dialektkontinuum erstreckt sich auch über die Niederlande und den flämischen Teil Belgiens; die niederländischen Dialekte sind "Varianten" niederdeutscher Mundarten. In den Niederlanden sind aber nicht nur niederfränkische und niedersächsische, sondern (neben westfriesischen) in einem sehr kleinen Gebiet bei Maastricht auch ripuarische (mitteldeutsche) Dialekte beheimatet, in Ostbelgien ebenfalls ripuarische Dialekte.

Die niederdeutschen Mundarten (auch "Platt" bzw. "Plattdeutsch") werden traditionell in Niederfränkisch, Niedersächsisch (auch: "Westniederdeutsch") und Ostniederdeutsch unterteilt. Niederfränkische Mundarten liegen heute überwiegend im Bereich der niederländischen Mundarten und werden außer in den Niederlanden, dem nördlichen Belgien und Frankreich (sogenanntes „Französisch-Flandern“) auch in Nordrhein-Westfalen als deutsche Mundarten gesprochen. Eine leicht vom Friesischen beeinflusste Varianz des Niederfränkischen ist Basis für die Niederländische Standardsprache.

Während man die niederdeutschen und niederländischen Dialekte noch bis ins ausgehende 19. Jahrhundert auf beiden Seiten der Staatsgrenzen als „Platt- oder Niederdeutsch“ zusammenfasste, ist heute die Zugehörigkeit der niederfränkischen Sprachen zum Niederdeutschen äußerst umstritten, da es sich eigentlich um Übergangsdialekte des Mitteldeutschen zum Niederdeutschen, d. h. zu den niedersächsischen Dialekten, handelt [1]. Aber es gibt noch aus dem 17. Jahrhundert niederländische Zeugnisse, dass dort die niederländischen Dialekte noch als Teil der deutschen Sprache empfunden wurde, da es ursprünglich nicht weiter vom Hochdeutschen entfernt war als das eigentliche Niederdeutsche [2].

Das Niedersächsische gliedert sich in Westfälisch, Ostfälisch und Nordniedersächsisch und wird außer in nordöstlichen Gegenden der Niederlanden beinahe im gesamten niederdeutschen Gebiet der alten Bundesrepublik gesprochen (Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen).

Das Ostniederdeutsche verbreitet sich über die Nordhälfte der ehemaligen DDR und zog sich früher über Pommern und Altpreußen bis auf den Baltikum. Man kann es in Brandenburgisch (Märkisch) und Mecklenburgisch-Vorpommersch gliedern, historisch zählen auch Ostpommersch und Niederpreußisch dazu. Das Berlinerische wird zusammen mit dem Südmärkischen, je nach linguistischer Perspektive, mal dem (Ost-)Niederdeutschen, mal dem (Ost-)Mitteldeutschen zugeordnet. Das Ostfriesische Platt zählt entgegen seinem Namen nicht zum Friesischen, sondern ebenfalls zum Niederdeutschen.

Das Niederdeutsche wird linguistisch durch das Nichteintreten der Zweiten Lautverschiebung definiert. Diese setzte im Frühmittelalter im Südosten des deutschen Sprachgebiets ein, breitete sich nach Nordwest und Nord aus und drang dabei unterschiedlich weit vor. Die zweite Lautverschiebung umfasst aber die Veränderungen mehrerer Lautmerkmale. Um Forschungsgebiete einzugrenzen wurde willkürlich die sogenannte Benrather Linie (niederdt. "maken" zu hochdt. "machen") und die Uerdinger Linie (niederdt. "ik" zu hochdt. "ich") als Lautgrenze festgelegt, ohne das es sich hierbei um eine tatsächliche Mundartgrenze handelt. Die Veränderungen der Mundarten gehen fließend vonstattten, eben kontinuierlich über kleine Veränderungen von Ort zu Ort. Das deutsche Dialektkontinuum kennt keine Sprachgrenzen. Die Künstlichkeit dieser Linien wird deutlich, wenn man dem Mitteldeutschen zugeordnete Mundarten betrachtet, die zwar südlich der Benrather Linie liegen, aber doch von vielen Lautveränderungen der zweiten Lautverschiebung nicht erfasst wurden. Das gleiche gilt auch beim Übergang der mitteldeutschen in die oberdeutschen Mundarten, auch hier gibt es keine auszumachende Mundartengrenze.

Die niederdeutschen Mundarten insgesamt betrachtet weisen mit den von den hochdeutschen Dialekten geprägtem Standarddeutsch (Hochdeutsch oder Schriftdeutsch) vergleichsweise geringe Ähnlichkeiten auf. Die niederdeutschen Mundarten waren bis Mitte des 20. Jahrhunderts die Umgangssprache der Menschen. Im Mittelalter und in der Frühneuzeit in Norddeutschland nicht zuletzt auch als Schriftsprache, z.B. Kanzleisprache. Durch den Einfluss der Reformation (hochdeutsche Lutherbibel) und durch Zuwanderungen wurde es nach und nach zurückgedrängt und ist, insbesondere in Großstädten, teilweise ganz verschwunden.

Mitteldeutsche Mundarten

Das Mitteldeutsche teilt sich in eine westliche und östliche Hälfte. Beide Gebiete werden topographisch nur durch ein schmales Gebiet zwischen Kassel und Eisenach verbunden (dort kommen sich Ober- und Niederdeutsch am nächsten). Die Sprachgrenzen, die West- von Ostmitteldeutsch trennen, verlaufen ebenfalls in dieser Gegend zwischen den Flüssen Werra und Fulda. Gerne wird die Isoglosse ausgewählt, die westliches "Pund" von östlichem "Fund" (für standarddeutsch "Pfund") trennt.

Das Westmitteldeutsche wurde in Rheinfränkisch, Moselfränkisch und Ripuarisch gegliedert und wird vor allem in Luxemburg (wo die regionale Variante zu einer Standard- und Schriftsprache ausgebaut ist) sowie im Saarland, in weiten Teilen von Rheinland-Pfalz und Hessen gesprochen, aber auch im nordwestlichen Baden-Württemberg, in Frankreich, in Belgien, im Südostzipfel der Niederlande und nicht zuletzt im südwestlichen Nordrhein-Westfalen.

Das Ostmitteldeutsche ist im Vergleich zum Westmitteldeutschen ein einheitlicheres Gebiet. Das heutige Verbreitungsgebiet des Ostmitteldeutschen deckt sich in etwa mit dem der Thüringisch-Obersächsischen Mundarten, das in etwa die Südhälfte der ehemaligen DDR einnimmt. Historisch gehören auch das Schlesische und das Hochpreußische dazu.

In den mitteldeutschen Dialekten haben sich die Sprachmerkmale der Zweiten Lautverschiebung im Gegensatz zum Hochdeutschen nicht so massiv, aber deutlich öfter als im Niederdeutschen durchgesetzt. Zur Abgrenzung zum Niederdeutschen siehe dort. Für die Abgrenzung zum Oberdeutschen werden meist diejenigen Isoglossen herangezogen, die älteres "p" vom neueren "pf" trennen - in den heutigen oberdeutschen Gebieten wurde "p" nach "pf" verschoben. Allerdings fallen nicht alle p-pf-Grenzen in einem Sprachgrenzbündel zusammen - die Verschiebung hängt ab vom Ausdruck, in dem "p" auftritt und von der Lage des "p" im Wort (vgl. "Pfund", "Apfel"). Oft wird die Apfel-Appel-Grenze als Merkmal ausgewählt. Besonders uneinheitlich verbreitet haben sich die Merkmale der Zweiten Lautverschiebung im Westmitteldeutschen (siehe Rheinischer Fächer).

Oberdeutsche Dialekte

Das Oberdeutsche wird differenziert in Nord-, West- und Ostoberdeutsch. Das Nordoberdeutsche untergliedert sich in Ostfränkisch und Südfränkisch. Das Südfränkische wird auch Südrheinfränkisch genannt (es gehört aber nicht zum mitteldeutschen Rheinfränkischen). Das Westoberdeutsche ist besser als Alemannisch, das Ostoberdeutsche besser als Bairisch bekannt.

Während das Südfränkische nur einen kleinen Teil im Nordwesten Baden-Württembergs einnimmt, dehnt sich das Ostfränkische über ein größeres Gebiete aus. Es wird vor allem im Nordwesten Bayerns, in Südthüringen und im Nordosten Baden-Württembergs gesprochen. Für Alemannisch und Bairisch siehe dort.

Die oberdeutschen Dialekte sind durch die umfangreichste Verbreitung der Merkmale der Zweiten Lautverschiebung gekennzeichnet. Zur Abgrenzung zum Mitteldeutschen siehe dort.

Nach antik-frühmittelalterlichen Kulturkreisen

Die Grobgliederung der Unterkapitel folgt in etwa dem Schema "Verbreitungsgebiet - Haupt- und Untergruppen - Abgrenzung / Definition / Probleme".

Alemannische Dialekte

Das Verbreitungsgebiet umfasst in etwa den deutschsprachigen Teil der Schweiz, in Österreich Vorarlberg und kleine Teile Tirols, in Bayern vor allem den Regierungsbezirk Schwaben, in Baden-Württemberg die südlichen zwei Drittel des Landes und in Frankreich - zumindest historisch gesehen - weite Teile des Elsasses.

Das Alemannische wird meist in Schwäbisch, Oberrhein-, Bodensee-, Hoch- und Höchstalemannisch gegliedert. Die Bezeichnung Niederalemannisch umfasst Oberrhein- und Bodenseealemannisch.

Das vollständig oberdeutsche Alemannische grenzt im Nordwesten an mitteldeutsches Gebiet. Zu den oberdeutschen Nachbarmundarten Bairisch im Osten sowie Ost- und Südfränkisch im Norden bestehen nicht selten breite Übergangsbereiche, da die Isoglossen der den jeweiligen Dialektgruppen zugeordneten Sprachmerkmale dort weit entfernt voneinander verlaufen. So ist besonders dort das Herausgreifen einer einzelnen Isoglosse oder eines kleineren Isoglossenbündels für Zwecke der Abgrenzung besonders willkürlich. Die Übergangsbereiche (bairisch-schwäbische Gebiete des Lechrain, fränkisch-schwäbische Mischgebiete in Baden-Württemberg und in Bayern um Dinkelsbühl und Hesselberg, fränkisch-niederalemannische Gebiete um Rastatt) werden nur selten als eigene Dialektgruppe anerkannt, sie haben jedoch eine sprachliche Eigenständigkeit und eine räumliche Ausdehnung, die sie Dialektgruppen ebenbürtig erscheinen lassen.

Bairische Dialekte

Das Verbreitungsgebiet umfasst Österreich mit Ausnahme Vorarlbergs, im deutschen Bundesland Bayern die Regierungsbezirke Oberbayern, Niederbayern und Oberpfalz und in Italien nahezu das gesamte Südtirol.

Die relativ homogenen bairischen Mundartmerkmale werden in nord-, mittel- und südbairische Sprachmerkmale untergliedert. Als mittelbairische Sondermundart gilt Wienerisch, die Stadtmundart Wiens.

Das vollständig oberdeutsche Bairische grenzt nur an ebenfalls oberdeutsche Hauptmundartgruppen, das Alemannische im Westen und das Ostfränkische im Nordwesten. Historisch grenzte es in Tschechien auch ans Mitteldeutsche. Zur Abgrenzung zum Alemannischen siehe dort. Zum Ostfränkischen bestehen nicht unwesentliche Übergangsmundarten, unter denen vor allem das Nürnbergische bekannt ist. Zur Abgrenzung zum Ostfränkischen wird gerne die Isoglosse herausgegriffen, die bairisches "enk" von ostfränkischem "euch" trennt (standarddeutsch "euch").

Fränkische Dialekte

Die fränkischen Dialekte werden in einem Gebiet gesprochen, dass sich - bezieht man das Gebiet Niederländischer Mundarten mit ein - von der Nordseeküste vor allem über weite Teile der Beneluxstaaten und Westdeutschlands bis zum Oberrhein erstreckt und im Südosten fast das gesamte Einzugsgebiet des Mains bedeckt.

Die fränkischen Hauptdialektgruppen sind im Oberdeutschen das Ostfränkische (mit Südfränkisch), alle Mundarten des Westmitteldeutschen sowie im niederländisch-niederdeutschen Gebiet das Niederfränkische.

Die als fränkisch bezeichneten Mundarten ziehen sich - als einzige der nach germanischen Gruppen benannten - durch nieder-, mittel- und oberdeutsches Dialektgebiet. Zur Abgrenzung zum Alemannischen und Bairischen siehe dort. Der Grenzbereich zu den niedersächsischen und ostmitteldeutschen Dialekten zieht sich über eine große Distanz vom Ijsselmeer durch das Ruhrgebiet, über das Rothaargebirge und den Thüringer Wald bis zum Westrand des Erzgebirges. Die zur Abgrenzung ausgewählten Isoglossen sind zahlreich. Zwischen Wuppertal und Erzgebirge fallen sie mit den Hauptdialektgrenzen zusammen, die auch Nieder- von Mitteldeutsch, Westmittel- von Ostmitteldeutsch und Oberdeutsch von Mitteldeutsch trennen. Im Niederländischen bzw. Niederdeutschen, zwischen Wuppertal und Isselmeer, kann die Trennlinie zwischen fränkisch "mähe(n)" und niedersächsisch "mähet" (für Standarddeutsch 3. Person Plural "[sie] mähen") herausgegriffen werden.

"Sächsische Dialekte"

Nicht alle niederländischen und deutschen Mundarten, die nicht den Alemannen, Bajuwaren und Franken zugeordnet werden, sind den Sachsen zugeordnet. Es existiert im Prinzip in der Dialektforschung auch keine analoge, als sächsisch bezeichnete Hauptdialektgruppe. Hinzu kommt, dass die Namen der Dialektgruppen Niedersächsisch und Thüringisch-Obersächsisch relativ neu sind.

Das Niedersächsische kann mit dem Westniederdeutschen gleichgesetzt werden. Das stark fränkisch beeinflusste Thüringisch-Obersächische deckt sich in großen Teilen mit dem heutigen Sprachgebiet des Ostmitteldeutschen.

Das verbleibende Mundartgebiet schließt östlich bzw. nördlich an das Niedersächsische und Thüringisch-Obersächsische an und umfasst, teilweise historisch, Ostniederdeutsch, Schlesisch und Hochpreußisch.

Historische Mundartgebiete im östlichen Europa

Einzelnachweise und Literatur

Standardwerke

Sortiert nach Erscheinungsjahr.

Hermann Niebaum, Jürgen Macha: Einführung in die Dialektologie des Deutschen. Tübingen 2006, ISBN 3-593-37800-0.

Eckhard Eggers (Hrsg.): Moderne Dialekte - neue Dialektologie. Akten des 1. Kongresses der Internationalen Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen (IGDD) am Forschungsinstitut für Deutsche Sprache "Deutscher Sprachatlas" der Philipps-Universität Marburg vom 5. - 8. März 2003. Steiner, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08762-1.

Arnulf Krause: Die Geschichte der Germanen. Campus-Verlag, Frankfurt/Main 2005, ISBN 3-593-37800-0.

Werner König: dtv-Atlas Deutsche Sprache. München 2005, ISBN 3-423-03025-9.

Ulrich Ammon: Was ist ein deutscher Dialekt? In Klaus Mattheier (Hrsg.): Dialektologie des Deutschen. Tübingen 1994, S. 369-384, ISBN 3-484-31147-9.

Peter Wiesinger: Bibliographie zur Grammatik der deutschen Dialekte [1981 bis 1985 und Nachträge]. Lang, Bern 1987, ISBN 3-261-03738-5.

Werner Besch (Hrsg.): Dialektologie. Ein Handbuch zur deutschen und allgemeinen Dialektforschung. 2 Bände. de Gruyter, Berlin 1982 und 1983, ISBN 3-11-005977-0 und 3-11-009571-8

Peter Wiesinger: Bibliographie zur Grammatik der deutschen Dialekte [1800 bis 1980]. Lang, Bern 1982, ISBN 3-261-03200-6 und ISBN 3-261-03201-4.

Klaus J. Mattheier: Pragmatik und Soziologie der Dialekte. Quelle & Meyer, Heidelberg 1980, ISBN 3-494-02116-3.

Sprachatlanten

Man unterscheidet bei Sprachatlanten zwischen Großraum- und Kleinraumatlanten (Hotzenköcherle 1962). Über die Internetseiten des Deutschen Sprachatlasses wird auf viele Atlasprojekte hingewiesen. Eine aktuelle Zusammenstellung über Atlanten und Übersichten bringen Niebaum/Macha 2006.

Wichtigste Großraumatlanten:

Deutscher Sprachatlas (DSA), 1927-1956, Digitale Version

Kleiner deutscher Sprachatlas, 1984-1999

Deutscher Wortatlas

Wortatlas der deutschen Umgangssprachen

Atlas zur Aussprache des Schriftdeutschen in der Bundesrepublik Deutschland

Wortatlas der kontinentalgermanischen Winzerterminologie (WKW)

Einige Kleinraumatlanten:

Atlas linguistique et ethnographique de l´Alsace (ALA), 1969/1985

Bayerischer Sprachatlas: Sprachatlas von Bayerisch-Schwaben (SBS); Sprachatlas von Oberbayern (SOB); Sprachregion München (SRM); Sprachatlas von Niederbayern (SNiB); Nordostbayerischer Sprachatlas (Oberfranken und Oberpfalz, SNOB); Sprachatlas von Mittelfranken (SMF); Sprachatlas von Unterfranken (SUF)

Kleiner Bayerischer Sprachatlas (KBSA)

Luxemburgischer Sprachatlas, 1963, Digitale Version

Sprachatlas von Oberösterreich, 1998ff.

Sprachatlas der deutschen Schweiz (SDS), 1962-2003

Thüringischer Dialektatlas, 1961/1965

Tirolischer Sprachatlas, 1965-1971

Zeitschriften

Beiträge zur deutschen Philologie (BDPH)

Deutsche Dialektographie (bis Band 100 "Deutsche Dialektgeographie") (DDG)

Germanisch-romanische Monatszeitschrift (GRM)

Teuthonista

Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik (ZDL)

Zeitschrift für deutsche Mundarten (ZDM)

Zeitschrift für deutsche Philologie (ZDPH)

Zeitschrift für deutsche Sprache (ZDS)

Zeitschrift für Germanistik und Linguistik (ZGL)

Zeitschrift für hochdeutsche Mundarten (ZHM)

Zeitschrift für Mundartforschung (ZMF)

Einzelnachweise



Helmut Glück: Metzler Lexikon Sprache, Stichwort Niederfränkisch, S. 419

Werner König: dtv-Atlas zur deutschen Sprache (9. Auflage, 1992), Kapitel: Niederdeutsch und Niederländisch, S.103

Weblinks



Internationale Gesellschaft für Dialektologie des Deutschen (IGDD)

Deutscher Sprachatlas

Digitaler Deutscher Sprachatlas

Die "Wenker-Sätze" des Deutschen Sprachatlasses auf Niederländisch

Digitaler Luxemburgischer Sprachatlas

Deutschschweizer Dialekte

Institut für Dialekt- und Namenlexika in Wien

Herkunft des Hochdeutschen

Dialektabgrenzung in drei Sprachräume

Allgemeines zur Lautverschiebung

Mundartenkarte um 1900






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