Bericht von der Wasserkreuzkraut-Exkursion im Schweizer Kanton Luzern und mögliche Maßnahmen aus den nö. und Schweizer Erfahrungen




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Bericht von der Wasserkreuzkraut-Exkursion im Schweizer Kanton Luzern
und mögliche Maßnahmen
aus den nö. und Schweizer Erfahrungen

DI. Humer, NÖ. Landeslandwirtschaftskammer


Zum Erfahrungsaustausch zur Ausbreitung der giftigen Wiesenpflanze Wasserkreuzkraut (Senecio aquaticus) hat DI. Humer 2005 mit Schweizer Stellen Kontakte aufgenommen. Dazu fand eine Exkursion mit Vorträgen am 7. September 2005 mit Schweizer Kollegen im Kanton Luzern unter dem Titel „Kreuzkraut: Dialog Landwirtschaft und Naturschutz“ statt.


An der Exkursion nahmen teil:
Johann Humer, NÖ. Landeslandwirtschaftskammer

Heinrich Hebeisen, Fachbereich Pflanzenschutz, Bildungs- und Beratungszentrum Hohenrain, Luzern, Organisator der Exkursion

Andreas Lüscher, Agroscope FAL Reckenholz, Zürich

Herbert Schmid, Landw. Regionalberater, Luzern

Andrea Wyss, Naturschutz- und Kontrollestelle Kriens

Rolf Waldis, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft

Hans Gujer, Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft

Vormittags wurden 4 Wasserkreuzkraut-Flächen in der bergigen Region Kriens (4 km südwestlich von Luzern) nördlich des Pilatus-Gebierges begangen. Nach den Vorträgen von LÜSCHER und HUMER wurden nachmittags 2 weitere Wasserkreuzkraut-Flächen in der eher nur leicht hügligen Region Finsterwald 15 km südwestlich von Kriens besucht.



Jakobskreuzkraut oder Wasserkreuzkraut ?
Bei der Exkursion wurde auf den Wiesen und Mähweiden nur das Wasserkreuzkraut beobachtet, so wie es auf den landwirtschaftlichen Flächen im nö. Waldviertel vorkommt. Auf diesen Futterwiesen war das Jakobskreuzkraut nicht vorhanden. Die Ausführungen von LÜSCHER ergaben dazu, dass die ersten Beobachtungen und Untersuchungen in der Schweiz auf das Jakobskreuzkraut bezogen waren. Das Jakobskreuzkraut kommt nach seinen Angaben dort wie bei uns hauptsächlich auf Böschungen und an den Rändern von Straßen, Autobahnen und Bahndämmen vor. Nach Schweizer Angaben liegen aber auch Untersuchungen vor, dass Jakobskreuzkraut in Futterwiesen auftritt. Die erste stärkere Ausbreitung von Jakobskreuzkraut wurde ab 2002 beobachtet und daher beziehen sich die ersten Untersuchungen und Informationsschriften auf Jakobskreuzkraut. 2003 stellt man fest, dass sich das Wasserkreuzkraut hauptsächlich in Futterwiesen explosionsartig ausbreitet. Solche Betriebe werden dort als „Gelbe Betriebe“ bezeichnet. Seither wurden an der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Agrarökologie und Landbau „Agroscope FAL Reckenholz“ in Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrum Hohenrain Untersuchungen zur Verbreitung und Giftigkeit begonnen. Zahlreiche Fachveranstaltungen wurden abgehalten und Landwirte mit Beratungsbroschüren informiert.
Giftigkeit von Senecio-Arten
LÜSCHER berichtete in seinem Vortrag, dass eigene Versuche zur Feststellung der Giftigkeit unternommen wurden. Verglichen wurden 4 Senecio-Arten. Setzt man S. jacobaea mit 100% fest, so weist S. aquaticus 50% auf und S. alpinus 300-700%. Entgegen der bisherigen Meinung zur gleich hohen Giftigkeit der verschiedene Pflanzenorgane wurden folgende unterschiedliche Giftigkeit festgestellt: Blatt 100%, Blüte 100-200% Stängel 3-30%. Auch die Giftigkeit während der Lagerung von Silagen verändert sich: Nach 1 Monat Silierung weist Wasserkreuzkraut nur mehr 15 % und nach 6 Monaten 13 % der Giftigkeit im Vergleich zum grünen Zustand auf.
Versuche zur Bekämpfung von Wasserkreuzkraut
Zur Zurückdrängung von Wasserkreuzkraut wurden Schnittzeitversuche, Beweidungsversuche mit Schafen und Herbizidversuche begonnen. Die bisherigen Ergebnisse der Schnittzeitversuche und Beweidungsversuche zeigten keinen eindeutigen Erfolg. Der häufigere Schnitt von Wasserkreuzkraut bewirkte vielmehr einen unerwünschten Effekt, nämlich die Erhöhung der Reproduktionskraft durch steigende Triebzahl je Pflanze bei niedriger Wuchshöhe. Bei den Herbizidversuchen wurden 12 Mittel geprüft. 6 der 12 Mittel, die eine Wirkung von 82 – 94% ausweisen, wurden daraufhin in der Schweiz offiziell für die Einzelpflanzenbekämpfung zugelassen. Wirksame Mittel sind Präparate mit MCPP, 2-4D und Metsulfuron. Für die chem. Bekämpfung ist in der Schweiz eine Meldung an die Behörde notwendig. Demnach wurden 2003 30 ha und 2004 40 ha behandelt.
Ausbreitung und Bewirtschaftung von Wiesen mit Jakobskreuzkraut
Aufgrund der zuerst nur mit Jakobskreuzkraut angelaufenen Versuche gibt es nur Untersuchungsergebnisse zur Ausbreitung und Bewirtschaftung von Wiesen mit dieser Art. Nach LÜSCHER ist die Wahrscheinlichkeit dass Jakobskreuzkraut auftritt ist wesentlich höher, wenn Wiesen eine hohe Lückigkeit (25-100% statt 0-25%) aufweisen um 90% höher und wenn sie als Standweide geführt werden um 72% höher. Wenn auf Wiesen mit Jakobskreuzkraut die N-Düngung von 50 auf 100 kg N/ha steigt, hat das nur eine 4%ige Wahrscheinlichkeit, dass Jakobskreuzkraut weniger auftritt. Eine andere Untersuchung zeigte vor 30 Jahren im Jura-Gebiet, dass die Ausbreitung von Jakobskreuzkraut umso größer ist je extensiver Weiden (und ohne Weidepflege) geführt werden.

Ausbreitung und Bewirtschaftung von Wiesen mit Wasserkreuzkraut
Bei der Exkursion wurden nur Futterwiesen mit Wasserkreuzkraut beobachtet. Das gehäufte Auftreten von Wasserkreuzkraut wird im Gebiet von Luzern seit etwa 2002 berichtet. Die bei der Exkursion gezeigten Wiesen mit Wasserkreuzkraut wiesen folgende Besonderheiten auf:
1.

Böden mit Auftreten von Wasserkreuzkraut haben den Charakter von Moorböden, bei denen das Wasser infolge einer wasserundurchlässigen Sperrschicht nicht versickern kann, sondern nur verdunsten kann. Das entspricht gänzlich den nö. Erfahrungen, die im Waldviertel auf Wasserkreuzkrautflächen gemacht wurden.

2.

Wasserkreuzkraut trat bei den besuchten Betrieben auf jenen Teilflächen deutlich gehäufter auf, die am Förderprogramm „Ökologische Ausgleichsflächen“ teilnahmen. „Ökologische Ausgleichsflächen“ sind dort: 1) extensiv genutzte Wiesen; 2) wenig intensiv genutzte Wiesen, 3) Streueflächen.


3.

Kennzeichnend für diese Flächen ist, dass seit einigen Jahren durch das Förderprogramm eine Umstellung auf keine oder stark reduzierte Düngung (wegen niedriger Produktivität) stattfand. Diese Bestände haben einen höheren Lichteinfall bis auf den Boden, sind damit auffallend niedrigwüchsiger und lichter und weisen erkennbar geringen Futterwuchs auf (entspricht gänzlich den nö. Erfahrungen).


Von den „Ökologischen Ausgleichsflächen“ verbreitete sich das Wasserkreuzkraut auch teils üblich bewirtschafte und besser gedüngte Nachbarfläche aus. Andererseits wanderte das Wasserkreuzkraut in eine schon längere ungedüngte, sehr extensive Wiese mit niedrigwüchsigem und sehr geringem Futterwuchs bei dichter Bodenbedeckung nicht ein.
Nach Aussage des örtlichen Beraters SCHMID tritt das Wasserkreuzkraut in Weiden vielfach in Beständen mit Kammgras, Rotschwingel, Straußgras und Feuchtstellen mit Juncus effusus (Flatterbinse) auf. Das entspricht großteils den eigene Bonituren der Waldviertler Wasserkreuzkraut-Wiesen wo hauptsächlich Rotschwingel, Straußgras, Wolliges Honiggras und in Feuchtstellen mit Juncus filiformus (Fadenbinse) zu finden ist.
In der Schweiz dürfen auf „Ökologischen Ausgleichsflächen“ keine Herbizide angewandt werden, was etwa bei uns den höherwertigen Maßnahmen in ÖPUL entspricht. Auf diesen Schutzflächen gibt es in der Schweiz wie bei uns das nicht gelöste Problem der Verhinderung einer weiter möglichen Ausbreitung unerwünschter Giftpflanzen infolge bestehender Verbote infolge eingeganger Verpflichtungen im Rahmen der Umwelt-/Naturschutzprogramme.
Infolge dieser Probleme hat die Schweiz die Senecio-Arten aus der Liste der Qualitätszeiger von Wiesen aus der Öko-Qualitätsverordnung gestrichen.

Resümee
Das massive Auftreten von Wasserkreuzkraut weist in der Schweiz wie in NÖ gewisse Parallelen auf:


  1. Beginn des massive Auftretens: 2002- 2003

  2. Standorte mit Staunässe an denen das Wasser infolge von Sperrschichten nicht abfließen kann

  3. Reduzierung der landw. Bewirtschaftung bis zum Verzicht auf Düngung infolge bereits geringer Produktivität der Standorte und der Folge der Einwanderung und Ausbreitung von Wasserkreuzkraut auf bestimmten Flächen mit besonderem Bodenwasserverhältnissen

  4. Teilweise Ausbreitung auf anliegende produktivere Flächen durch Samenflug

Mögliche Maßnahmen gegen Wasserkreuzkraut aus nö. und Schweizer Erfahrungen


Aufgrund der bisherigen Informationen zur Ausbreitung können folgende Maßnahmen gegen eine weitere Ausbreitung in Erwägung gezogen werden, soweit sie im Rahmen der ÖPUL-Verpflichtungen zulässig sind:


  1. Spätere Nutzung der Aufwüchse insbesondere des ersten Aufwuchses durch Förderung der bodenbedeckenden höher wüchsigen Pflanzen und dem damit verbunden Lichtmangel zur Unterdrückung von Wasserkreuzkraut)




  1. Ausgeglichene/bessere Nährstoffversorgung (Kalkung, NPK-Zufuhr nach sachgerechter Düngung) zur Förderung des Restbestandes zum Überwachsen von Wasserkreuzkraut und Unterdrückung durch Lichtmangel




  1. Entwicklung und Förderung der Bodenbedeckung durch Einsaat geeigneter Arten unter Berücksichtigung der Standortverhältnisse mit lang anhaltender Staunässe oder Überflutung mit Bedachtnahme einer deutlich geringen als üblichen Bewirtschaftungsintensität





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