I verabschidemi mau




Дата канвертавання26.04.2016
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I verabschidemi mau

Woche Drei, in der ich wieder zu hause bin. Es riecht entschieden besser hier. Die Welt ist farbenprächtiger, wenigstens was die natürlichen Farben angeht. Alles ist ein wenig langsamer und der Himmel scheint auf unerklärliche weise kleiner, selbst im Mittelland, wo man ja nicht die Berge am Horizont als Erklärung angeben kann. Ich gehe durch Städte, Bern, Luzern, Schaffhausen, Solothurn, und schaue den Menschen in die Gesichter und bin immer wieder erstaunt und weiss dann nicht so genau warum.


Der Abschied von New York war brüsk, nicht so sehr wegen der Stadt im Allgemeinen, vor allem wegen einzelner neuer Freunde, die mir doch sehr ans Herz gewachsen sind. Ich wurde vorgewarnt: Du kannst in einem halben Jahr zurück ins Sidewalk gehen und die Hälfte des Stammpersonals wird anders sein. Einige werden den Schritt in die nächste Liga geschafft haben, andere werden aufgeben in der Zwischenzeit und wieder an billigere Orte ziehen, nochmal andere haben vielleicht einfach die Schnauze voll vom OpenMike und kommen nur noch sporadisch zurück, probieren neue Strategien aus. Sich einzubilden, der Weg, den ich entdeckt habe in meinen drei Monaten, sei der einzige mögliche in NYC für junge Songwriter wäre naiv. Vermutlich hätten ein paar andere erste Bekannte mich auf einen Pfad bringen können, der mich nie ins Sidewalk geführt hätte drei Monate lang, und der die Zeit doch auch problemlos mit Musik ausgefüllt hätte.

Irgendöppis stimmt hie nid…

Wieder in der Schweiz wird mir denn auch schlagartig bewusst, was ich drei Monate lang überhaupt nicht vermisst habe: Beim Abendessen mit dem Booking-Agenten, auch ein Freund nebst der Zusammenarbeit, erfahre ich die nicht sehr euphorischen Neuigkeiten für den Festivalsommer. Diverse Festivals arbeiten jetzt fast nur noch mit den grossen und mittelgrossen Booking-Agenturen zusammen, einzelne werden sogar von solchen programmiert, für die Indie –Booker ist es fast unmöglich noch irgendwo reinzukommen, weil das Meiste unter der Hand gemischelt wird, die „Agentur-Mafia“ lässt sich gegenseitig die Slots zukommen und bei diversen Open-Airs, die „Trummer“ schon quasi eine Zusage gegeben hatten, kommt plötzlich doch noch die Absage und man entdeckt dann eine der „Mafia“-Bands an seiner Stelle im Programm. Den “Mafia“-Bands gönnen wir das natürlich von Herzen. Auch das Telefongespräch mit der Plattenfirma ist ernüchternd, inzwischen haben noch mehr kleinere Radios auf Formatprogramm umgestellt, was es Künstlern abseits der Hitparade fast verunmöglicht noch in den Äther zu kommen.

Ich bin von all dem weder sonderlich überrascht noch enttäuscht. Es bestätigt mir nur einmal mehr, was sich als Eindruck im Vergleich mit der lebendigen Indie-Szene in New York eh schon gefestigt hat: Die Schweiz ist momentan ein miserabler Ort um Musik zu machen, die nicht im Fernsehen produziert wird und sich abseits der gängigen Popformate bewegt. Dann hört man belustigt Geschichten aus den Chefetagen der Major-Firmen, wo sich irgendwelche Möchtegern-CEO’s mit gruseligen Kampagnen vorzumachen versuchen, sie seien mehr als die helvetischen Lokalvertreter in den Augen der internationalen Mutterhäuser.

Alles in Allem: Jede Möglichkeit, die wir hier finden, der Industrie einen Stinkfinger zu zeigen, sollten wir beim Schopf packen. Deshalb fand ich es äusserst erfreulich festzustellen, dass sich MySpace auch hier langsam durchsetzt. Nun ist bloss zu hoffen, dass die alternative Musikszene die Chance nutzt und das Feld nicht den dicken Hänsen überlässt…

Item.
Entwickligsstück

Dankbarerweise kann ich schon kurz nach meiner Rückkehr eine kleine Solo-Tour spielen, die also auch gleich nutzbar wird, um zu testen, ob denn das neue Material auch in der Heimat gefällt. Im Gespräch mit den Leuten merke ich öfters, dass es offenbar ein Klischee für New York-Heimkehrer gibt: Sie glauben, gerade das hippste Ding aller Zeiten durchgemacht zu haben und sind deshalb arrogant und abgehoben. Öfters mal brauche ich meine zehn Minuten um einem Gegenüber klarzumachen, dass die Efahrung, die mich in diesen drei Monaten geprägt hat nichts mit „hip“ und „szenig“ in unserem Sprachsinn zu tun hat, sondern schlicht eine für mich tiefgreifende Wiederentdeckung der Kraft von Musik ist. Drei Monate ohne Meldungen über Radioairplay, ohne Gespräche über die Veranstaltermafia, ohne die Frage, wieviele Cd’s ich denn verkauft habe. Dafür drei Monate voller inspirierender, intensiver Konzerterlebnisse, fast ausschliesslich in Gratis-Clubs, fast ausschliesslich jemand alleine mit seiner Gitarre auf der Bühne, fast immer ein Publikum, das mucksmäuschenstill zuhört und danach Gespräche über einzelne Songs, über die Authenzität der auftretenden SongwriterInnen, über die Frage, ob ihre Art darzubieten mit ihrem Material übereinstimmt, über das Gewicht einzelner Songzeilen und wie schon ein falsches Wort alles zerstören kann.

Bei meinen ersten Begegnungen nach der Rückkehr habe ich öfters versucht, die Konversation weg vom oberflächlichen Business- und Karriere-Talk zu bringen und stattdessen auf diese Themen zu wechseln. Einige Male ist es gelungen, was mich dann sehr gefreut hat, andere Maleerntete ich nur verständnislose Blicke und der Tiefpunkt war vermutlich der eine Zuhörer, der nach einem Konzert fand, er sei ja froh, dass er die Texte nicht verstehe, die stören ihn immer beim Musikhören.

Man darf das natürlich sehen, wie man will. Welche Version einem aber als Schreiber, Künstler, weiterbringt, ist wohl keine Frage…



Bis i widr zrügg bi

Die letzten Wochen in New York waren geprägt von weiteren Konzerten, ich habe nun schlussendlich fünf Shows gespielt, zwei davon im Sidewalk-Café, je eine in Bar4, Matchless Bar und der Laila Lounge. Anderes, was auch noch hätte passieren können, hatte zeitlich keinen Platz mehr. Ob die Zusicherungen, das nachzuholen, wenn ich wiederkomme, dann eingehalten werden, darauf bin ich mal gespannt.

Der Entschluss zurückzugehen steht fest. Im Moment muss ich mal Geld verdienen, aber ich hoffe im August wieder in New York zu sein und wenn alles klappt käme ich dann gleich mit den Bowman-Twins im Herbst zurück und würde sie als Fahrer und eventuell ab und zu Opening-Act auf ihrer Europatour begleiten. Das steht noch auf wackligen Beinen, ist aber doch immerhin ein Plan.

Besonders nach den Gesprächen mit Plattenfirma und Booking hatte ich sowieso nicht den Eindruck, es müsse jetzt unbedingt so schnell wie möglich eine neue Trummer-Platte in der Schweiz rauskommen. Nach NYC zurückzugehen und unterdessen an der Vernetzung der CH-Indie-Szene mitzuarbeiten, neue Ideen zu entwickeln, wie man in unserem Land Liedermachen sein kann, ohne sich nur als (kaum verkaufbares) Produkt zu fühlen. Das tut Not.


I verabschidemi nomau…

So nehme ich nun an, dass meine freundlichen Gastgeber hier bei Trespass.ch dann auch dafür sorgen werden, dass der interessierte Leser und die interessierte Leserin dereinst erfahren, was weiteres aus dieser Geschichte wird… Wer weiss, vielleicht wird das New York-Tagebuch ja im August weitergeführt um euch auch wissen zu lassen, was geschieht, wenn man mit derart positiv vorbelasteten Erfahrungen zurückkehrt. Eine harte Landung ist durchaus im Bereich des Möglichen, da mach ich mir nichts vor. Aber ich weiss ja jetzt: New York is a city of chance, and you never know…

Auf den wohlriechenden Sommer hier freue ich mich nun jedenfalls trotz allem, und dass die anstehenden Konzerte bis im August grösstenteils intime Anlässe sind, kommt mir momentan gerade recht. Ihr dürft da natürlich gerne mal dabeisein… Die nötigen Angaben findet ihr nicht nur wie immer bei

www.trummeronline.ch, sondern neu auch bei ¨

www.myspace.com/trummeronline .

Klinkt euch ein, bastelt euch ein Seite, helft mit der Musik in unserem Land eine weitere Möglichkeit zu geben, euch unabhängig von den Entscheidungen komischer Leute bei Plattenfirmen, Radiostationen und Festivalprogrammgruppen zu erreichen!



Und: DANK an trespass.ch, die tun das schon lang!
Wieauchimmer, unterdessen: So long!

(PS: Vor dem Abschicken habe ich das jetzt nochmal durchgelesen uns festgestellt: „Es isch es Bitzeli bös…“ Aber wir können gerne auch mal streiten über dieses und jenes und Beweise, dass ich mit meiner traurigen Eischätzung der Schweizer Ausgangslage falsch liege, nehme ich mit Handkuss entgegen.)


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