Die Gefäßpflanzenflora der Stadt Hannover von georg wilhelm und JÜrgen feder




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Die Gefäßpflanzenflora der Stadt Hannover

von

GEORG WILHELM und JÜRGEN FEDER




Zusammenfassung. In der hier vorgelegten Liste sind die wildwachsenden Farn- und Blüten­pflanzen zusammengestellt, die die Verfasser seit etwa 1986 auf dem Gebiet der Stadt Hanno­ver erfaßt haben. Darüber hinaus wurden Literaturangaben und beim Niedersächsischen Landesamt für Ökologie - Naturschutz - vorliegende Kartierungs­unterlagen ausgewertet, um die eigenen Daten zu ergänzen und um weitere, seit Beginn der hannoverschen Florenschreibung vor rund 200 Jahren dokumentierte Funde aufzuführen. Die Florenliste enthält insgesamt 1408 Sippen (Arten, Unterarten und Hybriden). Davon kamen 190 Sippen bisher nur unbeständig oder synanthrop vor, so daß 1218 Sippen zum eigentlichen Florenbestand der Stadt Hannover zu zählen sind. 989 dieser Sippen konnten seit 1982 noch angetroffen werden. 499 Sippen des Floren­bestandes sind auf der niedersächsischen Roten Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen verzeichnet; 181 dieser Sippen sind in Hannover verschollen.
Summary: Vascular Plants in the Municipal Area of Hannover. The following list contains the wild vascular plants, which were found by the authors since 1986 in the municipal area of Hannover. In addition other recordings (floristic mapping projects of the "Niedersächsisches Landesamt für Ökologie - Naturschutz", floristic literature of the last 200 years) are compiled. Altogether the paper presents 1408 taxa (species, subspecies and hybrids). 190 of them are inconstant or syanthropic taxa. From the remaining 1218 taxa 989 are still found since 1982. 181 of the 499 taxa of the "Lower Saxonies Red List" are dissappeard in Hannover.

1. Einleitung


Durch Kartierungsprojekte der Landeshauptstadt Hannover und Kartierungen im Rahmen des Niedersächsischen Pflanzenarten-Erfassungsprogramms besteht heute ein relativ guter Überblick über die gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen (Gefäß­pflanzen) in Hannover (vgl. FEDER & WILHELM 1995). Dagegen fehlt bisher eine Zusammenstellung, aus der hervorgeht, welche wildwachsenden Gefäßpflanzen im Stadtgebiet insgesamt vorkommen. Von Interesse wäre darüber hinaus eine Zusam­menstellung, welche Pflanzenarten hier in der Vergangenheit wuchsen, um daran Veränderungen im Arteninventar ablesen zu können. Damit Vergleiche möglich sind, bieten sich auch hier die jetzigen politischen Grenzen der Stadt als Abgrenzung an.
Mit der hier vorgelegten Florenliste soll ein solcher Überblick über die frühere und die gegen­wärtige Gefäßpflanzenflora von Hannover versucht werden. Die Daten zum gegenwärtigen Arteninventar beruhen überwiegend auf Kartierungen der Autoren seit etwa 1986. Aus der Literatur und aus den beim Niedersächsischen Landesamt für Ökologie - Naturschutz - (NLÖ) vorliegenden Unterlagen zur Erfassung der Flora Mitteleuropas und zum Niedersächsischen Pflanzenarten-Erfassungsprogramm wurden die Angaben zum früheren Arteninventar sowie ergänzende neuere Funde übernom­men.
Es liegt in der Natur der Sache, daß eine Florenliste nicht abgeschlossen sein kann. Das gilt ganz besonders für schwierige Gattungen, die im Rahmen dieser Arbeit bisher nur sehr lückenhaft bearbeitet werden konnten (z.B. Taraxacum). Ergänzungen und Kritik nehmen die Autoren für etwaige spätere Nachträge gern entgegen.

2. Zur Erforschung der Flora der Stadt Hannover


Das Stadtgebiet von Hannover (204 km² groß; 1998 524000 Einwohner, 2599 Einwoh­ner je km²) gehört, ebenso wie seine Umgebung, zu den floristisch relativ gut unter­suchten Räumen. Bereits im 18. Jahrhundert legte der Botaniker Friedrich EHRHART, ein Freund und Schüler LINNÉS, einen "Versuch eines Verzeichnisses der um Hanno­ver wild wachsenden Pflanzen" vor (EHRHART 1787, 1788 u. 1789). Diese Arbeit gilt als eine der ältesten dieser Art in Deutschland. Da EHRHART in seinem Verzeichnis keine Fundstellen angab und er auch weite Teile des heutigen Landkreises Hannover in das Berichtsgebiet einbezog, kann aus dieser Arbeit nicht direkt abgelesen werden, welche Pflanzenarten damals im heutigen Stadtgebiet vorkamen. (Einen Überblick über die verstreuten Fundortangaben EHRHARTS, die auf anderem Wege überliefert sind, gibt ALPERS 1905).
Eine Fülle von Wuchsstellen nennt dagegen die "Chloris hanoverana", eine vom Göttin­ger Hofrat Georg Friedrich Wilhelm MEYER (1836) verfaßte Flora für das Gebiet des Königreiches Hannover. MEYER hatte in dieser Arbeit grundsätzlich, selbst noch bei den am weitesten verbreiteten Sippen, Fundorte angegeben, die teils relativ präzise (beispielsweise "um Hanno­ver, z.B. am schnellen Graben", "am Wege nach dem Pferdethurm") und teils sehr vage beschrieben waren ("am Harze", "im Amte Hunte­burg"). Er räumte später ein, die "Chloris" enthalte "die bereits ungebührliche Anzahl von 19,000 speciellen Standörtern, eine Zahl die wohl in keinem ähnlichen Werke vorkommen möchte. Ich würde einen grossen Teil derselben gestrichen haben, wenn die Eile, in welcher einem damaligen Drange der Umstände nach, der Druck erfolgen musste, die Beendigung des Manuscripts und eine Revision desselben vor Anfang des Drucks gestattet hätte" (MEYER 1849). Aus heutiger Sicht ist dieses Vorgehen aber ein Glücksfall, da gerade für früher häufigere Sippen in der älteren Literatur wenig aussa­ge­kräftige Formulierungen wie "im ganzen Gebiet verbreitet" vorherrschen, obwohl davon auszugehen ist, daß auch ein Teil dieser Sippen Verbreitungslücken aufwies. Für die vorlie­gende Arbeit ist es günstig, daß in der "Chloris hanoverana" gerade für die Umge­bung Hannovers besonders viele gut zu lokalisierende Fundortangaben aufgeführt sind. Vermutlich stammen diese Angaben zu einem erheblichen Teil aus den unveröffent­lichten und später verlorengegangenen Notizen EHRHARTS, die MEYER vorlagen (s. dazu SEELAND 1927).
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erreichte die floristische Erforschung unse­res Raumes einen ersten Höhepunkt, der sich bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhun­derts fort­setzte. Insgesamt erschienen von 1860 bis 1940 etwa 40 Arbeiten zur Gefäß­pflanzenflora, die ganz oder teilweise den Bereich des heutigen Stadtgebietes von Hannover mitbehandelten (Literaturüberblick bis 1926 bei SEELAND 1927). Einen umfassenden Eindruck vom damaligen Artenreichtum im Bereich des heutigen Stadt­gebiets und großer Teile des heutigen Landkreises Hannover gibt die "Flora von Hannover" von Ludwig MEJER (1875, mit kumulierenden Nach­trägen 1878, 1892 und 1893). Die "Flora der Provinz Hannover" von Wilhelm BRANDES (1897, mit Nachträgen 1900, 1905 und 1910), die sich u.a. auf die bis dahin vorliegenden Veröffent­lichungen und auf die Herbarien des Provinzialmuseums Hannover stützt, enthält für Hannover weitere Wuchsstellenangaben, wobei aber nicht abgelesen werden kann, ob sie beim Verfas­sen der Flora noch existierten oder ob nur alte Angaben übernommen wurden. Andere Arbeiten deckten einen Teil des heutigen Stadtgebietes (u.a. NÖLDEKE 1890) oder einen Teil der Arten ab (u.a. HOLLE 1862, SEELAND 1929, 1938, 1940a, 1940b), untersuchten die Veränderungen der Flora (MEJER 1867 und 1888, ANDRÉE 1919, SCHEUERMANN 1925a) oder befaßten sich mit der Adventivflora, also mit neu und oft nur sehr kurzzeitig auftretenden Sippen (u.a. ALPERS 1898, SCHEUERMANN 1913, 1919, 1925b, 1930, AELLEN & SCHEUERMANN 1937).
Einen neuen Aufschwung, der bis heute anhält, erlebte die floristische Erforschung des Stadt­gebietes von Hannover mit den Rasterkartierungsprojekten seit den sechziger Jahren. In den Jahren 1967 bis 1971 fanden intensive Geländearbeiten für eine floristi­sche Bestandsauf­nahme Südniedersachsens statt, die auch das Stadtgebiet von Hannover einbezog. Ausge­wertet wurde zudem ein großer Teil der Literatur. Grundfeld dieser Regionalkartierung waren die Kartenblattviertel der Amtlichen Topographischen Karte 1:25.000 (TK25-Quadranten). Die hannoverschen Quadranten wurden unter Mithilfe weiterer Kartiererinnen und Kartierer von Klaus WÖLDECKE und Alfred MON­TAG bearbeitet. Das Ergebnis dieses Gemein­schafts­werkes der südniedersächsischen Floristen war der "Atlas zur Flora von Südniedersachsen" (HAEUPLER 1976; die Daten flossen auch in die Rasterkarten für Westdeutschland bei HAEUPLER & SCHÖNFEL­DER 1988 ein). Für eine Florenliste von Hannover läßt sich der Südniedersachsen-Atlas nicht unmittelbar auswerten, weil das Stadtgebiet von Hannover sich über 14 TK25-Quadranten erstreckt, aber nur 2 Quadranten vollständig innerhalb der politi­schen Grenzen liegen und bei den meisten Rasterpunkten deshalb eine eindeutige Zuordnung nicht möglich ist. Außerdem ist im Atlas teilweise nicht differenziert dargestellt, ob es sich um neue oder frühere Vorkommen handelt. Eine genauere zeitliche und räumliche Zuordnung der Funde ist aber mit Hilfe der Geländelisten möglich, die überwiegend noch erhalten sind.
Seit 1982 folgte als weiteres großes Projekt die flächenscharfe Erfassung gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen, in deren Rahmen bis 1992 landesweit über 200.000 Einzel­daten zusam­mengetragen wurden und deren Ergebnisse in einem Atlas mit Raster­karten auf Basis von TK25-Quadranten vorliegen (GARVE 1994). Im Stadtgebiet von Hannover konnten durch intensive Kartierarbeiten einige seit Jahrzehnten hier nicht mehr bekannte Rote-Liste-Arten wiedergefunden werden. Parallel dazu wurde auch die landesweite Kartierung aller Gefäß­pflanzenarten wieder verstärkt durchgeführt.
Angaben zur Flora sind auch in der kaum noch übersehbaren Fülle von Umweltverträg­lich­keitsstudien, Pflege- und Entwicklungsplänen und Landschaftsplanungen sowie in den an der Universität Hannover erstellten Projekt- und Diplomarbeiten enthalten, die sich mit Flächen im hannoverschen Stadtgebiet befassen. Auch diese Arbeiten sind zum großen Teil ausgewertet worden, enthielten aber nur selten verläßliche Angaben von im Stadtgebiet bis dahin noch nicht bekannten Sippen.

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