Die Frauenfiguren in „Nathan der Weise




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Literarische Erörterung – Jahrgangsstufen 11 bis 13

Thema: Gotthold Ephraim Lessing „Nathan der Weise“
Die Frauenfiguren in „Nathan der Weise“ werden häufig nur als Vehikel erzieherischer Botschaften gesehen. Untersuchen Sie, ob dies eine zutreffende Darstellung ist!

Gliederung:

A Drei Theaterstücke Lessings mit weiblicher Hauptperson:

Miss Sara Sampson (1755), Minna von Barnheim (1767) und Emilia Galotti (1772)

Protagonist seines letzten Dramas ist der Jude „Nathan der Weise“.

Die Frauenfiguren in diesem „dramatischen Gedicht“ werden oft nur als Vehikel

erzieherischer Botschaften gesehen.
B Die Frauenfiguren und ihre Funktionen in „Nathan der Weise“:

I. Daja


1.Charakterisierung:

a) einfaches Gemüt

b) mütterliche Beschützerin Rechas

c) nicht ganz selbstlos (will nach Europa zurück)

d) neugierig

e) komische Figur (geschwätzig->Hintergrundinfos fürs Publikum; kupplerisch)

(vgl. die Amme in Shakespeares „Romeo und Julia“)

2.Funktion:

Verdeutlichung der Intoleranz der Christen; ihr fehlt die tiefere Einsicht; obwohl sie Nathan nichts Schlechtes nachweisen kann, ist sie nicht vorurteilsfrei.
II. Sittah:

1. Charakterisierung:

a) Schwester des Sultans (Beraterin)

b) Gebildet (Schachspielerin)

c) Vom Bruder als ebenbürtig anerkannt, geliebt

d) Von Al-Hafi als scharfsinnig bezeichnet

e) Mit weiblicher Neugier ausgestattet

f) Großzügig

2.Funktion

- die dem Islam zugeordnete Frauengestalt ( aber sicherlich Ausnahmefall)

- Möglichkeit, Saladins Gedanken und Probleme zu erfahren
III. Recha:

1.Charakterisierung

a) Gebildet, aber nicht „belesen“

b) Hohe Wertschätzung durch Nathan

c) Dem Judentum zugeordnete Frauengestalt

2. Funktion:

- zunächst von Daja zum naiven Wunderglauben verleitet

- erkennt ihren Irrtum

- steht zwischen Daja und Sittah

a) standesmäßig: von Daja bedient, von Sittah als Gesellschafterin gewünscht

b) religiös: - getauft als Christin

- aufgewachsen als Jüdin

- Tochter einer Christin und eines Moslems
IV.Ergebnis:

Interessante Gestalten, schon auch Vehikel, aber nicht mehr und nicht weniger, als die

Männergestalten dieses analytischen/ didaktischen Dramas. Mittel zum Zweck, wie

eigentlich das ganze Stück.


C Schluss

Eigene Meinung :interessant vor dem Hintergrund der Rolle der Frau zu Lessings Lebzeiten

Thema:
Die Frauenfiguren in „Nathan der Weise“ werden häufig nur als Vehikel erzieherischer

Botschaften gesehen. Untersuchen Sie, ob dies eine treffende Darstellung ist!


Ausführung:
Der 1729 geborene Gotthold Ephraim Lessing ist der bekannteste unter den deutschen Dichtern und Denkern der Aufklärung. Seine „Hamburgische Dramaturgie“ und seine „Briefe die neueste Literatur betreffend“ gaben der deutschen Literatur und dem Theater wichtige Impulse. Dass ihm

die „Erziehung des Menschengeschlechts“ (1780) wichtig war, zeigen unter anderem auch seine Fabeln.

Lessing schrieb einige Theaterstücke, drei davon mit weiblichen Titelfiguren. Im Jahre 1755 entstand „Miss Sara Sampson“, 1767 „Minna von Barnheim“ und fünf Jahre darauf „Emilia Galotti“.

Der Protagonist seines letzten und wohl bekanntesten Dramas ist allerdings ein Mann, „Nathan der Weise“, ein jüdischer Kaufmann. Daja, Sittah und Recha, die Frauenfiguren in diesem Erziehungsdrama, werden oft nur als Vehikel erzieherischer Botschaften gesehen. Inwiefern das zutrifft, werde ich herauszuarbeiten versuchen.


Mit Dajas Auftritt beginnt das Stück. Ihr ist es vorbehalten, Nathan anzukündigen und ihn nach seiner langen Abwesenheit zu begrüßen. Die Christin Daja ist Rechas Gesellschafterin. Sie ist zwar eine liebevolle ältere Frau und meint es nur gut mit ihrem Schützling, den sie mütterlich liebt( von Recha als „ ...gute, böse...“ Mutterstelle geduldet V.6, V 3579-80), hat sich aber nie mit der Tatsache abgefunden, dass Nathan die als Christin getaufte Recha in dem Glauben aufwachsen ließ, sie sei Jüdin. In ihrer fanatischen Überzeugung versucht sie immer wieder Recha auf den ihrer Meinung nach rechten Weg zurück zu führen, weil sie Gewissensbisse (I.1 V 41 „Mein Gewissen...“) wegen ihrer Mitwisserschaft bezüglich Rechas wahrer Herkunft hat. Ihr Schweigen lässt sie sich indirekt von Nathan auch bezahlen. Weil aber zwischen Nathan und Daja über die Jahre ein freundschaftliches Verhältnis entstand, ist es weniger Bestechung als ein Zeichen der Wertschätzung, dass er ihr von seinen Reisen nahezu eben so wertvolle Geschenke mitbringt wie Recha, denn Nathan ist ein großzügiger Mann .

Dennoch ist sie nicht ganz selbstlos bei ihrem Versuch Recha mit dem jungen Tempelherrn zu verkuppeln, weil sie sich daraus erhofft mit dem Paar wieder in ihre ursprüngliche Heimat Europa zurück zu kehren. (III.1 1537-42. )


In gewisser Weise ist sie eine komische Figur. Durch ihre Geschwätzigkeit erfährt das Publikum die Hintergründe des Geschehens. Obwohl sie mit Sicherheit am meisten Wind macht, ist sie die beständigste Person in dem Stück. Sie weicht nicht von ihren vorgefertigten Meinungen ab, und obwohl sie Nathan nichts Schlechtes nachweisen kann, ist sie nicht vorurteilsfrei. Ihr fehlt die tiefere Einsicht und sie schneidet in ihrer Rolle als Repräsentantin des Christentums der drei Frauengestalten am schlechtesten ab. Am Beispiel Dajas wird die Intoleranz des Christentums verdeutlicht, was auch ein Grund für die Brisanz dieses Dramas zu Lebzeiten Lessings gewesen sein dürfte.
Sittah, die Schwester des Sultans Saladin, ist die dem Islam zugeordnete Frauengestalt. Sie ist gebildet und intelligent und erscheint als ebenbürtige Partnerin ihres Bruders, mit dem sie sogar Schachpartien austrägt. (II.1) Ihre Fortschrittlichkeit und Selbstständigkeit werden auch durch die Tatsache belegt, dass sie ein eigenes Einkommen hat und über längere Zeit sogar den Unterhalt der laufenden Hofkosten von ihrem Guthaben bestritten hat, dies allerdings großzügigerweise ohne ihren Bruder davon zu informieren. Sittah wird von Recha als ruhig und vernunftbetont eingeschätzt(V.6 V 3564) Laut Al-Hafi ist sie scharfsinnig (III.2 V945 „Ich hätt ihr Hirn wohl lieber selbst, / Wär lieber selbst so gut als sie“ ), raffiniert, aber auch neugierig (IV.5 V2848). Saladin fragt sie um Rat, obwohl auch er die Frauen grundsätzlich nicht für ebenbürtig zu halten scheint. (III.5 V1788 „... und das die Weiber doch so gern den Mann / Zu sich herunter hätten!“)
Recha ist die christlich getaufte Ziehtochter Nathans und sie vertritt den jüdischen Teil, dabei wurde sie von ihrem Vater nur nach rein humanistischen Grundsätzen erzogen und nicht speziell jüdisch. Sie stellt Nathans Familie dar. Die Tatsache, dass sie ihm quasi seine sieben ermordeten Söhne ersetzt, ist ein Beweis für die Wertschätzung Rechas, zumal damals die Geburt eines Sohnes ein wesentlich erfreulicher galt, weil ein Sohn für den Vater arbeiten konnte und nicht durch eine teure Mitgift verheiratet werden musste. Recha hat aufgrund dieser Zuneigung auch einen Bildungsstand der normalerweise nur Knaben zugekommen wäre. (V.6, V3525) Trotzdem bezeichnet sie sich selbst weniger als gebildet, sondern mehr als belesen (V.6 V 3530). Zu Beginn des Stückes ist sie naiv(I.3 V 331), emotional (II.4 V1184), irrational und ängstlich (I.2 V332). Mit Hilfestellung Nathans gelangt sie aber zur Einsicht und durchläuft im Fortgang der Handlung einen Lernprozess (Engelglaube:I.1 V146; I.2 V376), der sie auch von ihrem Engelglauben abbringt. Nathan zwingt sie auf liebevolle und gewaltlose Art sich nicht in ein Traumland zu flüchten, sondern Problemen rational gegenüber zu treten. Schließlich erkennt sie ihren Irrtum und akzeptiert von einem Menschen, nämlich dem jungen Tempelherrn, in den sie sich bald darauf verliebt, gerettet worden zu sein. Sie wird von ihrem Vater Nathan, der sie liebt wie seine leibliche Tochter(I.1 V 30, 31), zu vernünftigem Denken erzogen(III.1 V1565). Recha verkörpert den idealen Weg der Erkenntnis, den auch der Zuschauer erlangen soll.
Desweiteren steht sie zwischen den Ständen von Daja und Sittah. Daja, die ihre Dienerin ist, im Laufe der Zeit aber zu einer guten Freundin in einer mutterähnlichen Rolle für sie geworden ist, und Sittah, die sie bittet wiederum als ihre Gesellschafterin zu fungieren. Sie befindet sich außerdem zwischen den einzelnen Religionen und erhält dadurch eine Vermittlerrolle. Sie, als Tochter einer Christin und eines Moslems, christlich getauft und im Hause eines Juden erzogen, bringt uns das friedliche Zusammenleben der drei Weltreligionen näher. Dank ihres edlen Blutes und ihrer guten Erziehung kann sie gegen die Intoleranz ankämpfen.
In dem Drama „Nathan der Weise“ gibt es meiner Meinung nach interessante Frauengestalten, diese sind aber nicht mehr oder weniger als die Männerfiguren dieses Theaterstücks Vehikel für erzieherische Botschaften. Da es sich bei diesem Stück um ein didaktisches Drama handelt, sind alle Figuren in erster Linie dafür da, ihre didaktische Nachricht dem Publikum zu vermitteln. Ich gehe davon aus, dass die einzelnen Frauenrollen, die auch den drei großen Religionen zugeordnet sind, natürlich auch aus „Symmetriegründen“ enthalten sind. Die Handlung des Dramas wäre ja so nicht denkbar, wenn es sich um einen Sohn handeln würde, welcher vom Tempelherrn gerettet worden wäre. Die Gefühle sollten das Publikum eben auch zu Mitgefühl veranlassen und die Geschehnisse nachvollziehbar werden lassen, welche laut Lessing erst den Lernerfolg für den Zuschauer ermöglichen(...)
Besonders interessant finde ich das Drama „Nathan der Weise“ unter dem Aspekt der Rolle der Frau zu Lessings Lebzeiten. Die Frauenfiguren in diesem Stück sind doch relativ aufgeklärt für das Zeitalter. Sittah und Recha sind zwei gebildete Frauen, denen zugestanden wird so intelligent und lernfähig wie Männer zu sein.
Ellen Kleinert


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Ellen Kleinert


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